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Essen ist Medizin

Ich weiß noch, wie ich mir am Anfang meiner Genesung so viele Gedanken darum gemacht habe, wieviel man essen sollte, um gesund zu werden. Täglich gingen mehrere Stunden dafür drauf, im Internet zu recherchieren, was eine angemessene Menge zum "recovern" ist: von Empfehlungen mit 1500-5000 Kalorien pro Tag habe ich alles gelesen.

Verwirrung kam auf bei all den vielen und auch so unterschiedlichen Angaben darüber, wieviele Kalorien zum zunehmen nun ausreichend wären. Weder zu viel noch zu wenig sollte es sein. Meist haben mich aber all die verschiedenen Theorien eher davon abgehalten, überhaupt etwas an meinem Essverhalten zu verändern. Ich wollte eine "perfekte" Genesung und dachte, ich müsste erst einmal den "perfekten" Weg zum gesund werden herausfinden, bevor ich mit der Heilung überhaupt beginnen darf.

Einer Sache war ich mir allerdings schon immer sehr sicher: man brauchte eine Menge an Essen, um wieder zurück zu Gesundheit, Freiheit und LEBEN zu kommen.

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In gewisser Weise ist Essen Medizin, vor allem für jemandem mit Essstörung. Jede Kalorie, jedes Protein, jeder Zucker, jedes Fett aber genauso auch jeder Mineralstoff und jedes Vitamin werden dafür genutzt, um den Körper wieder gesund zu machen. Essen bedeutet Energie - Energie, die der Körper braucht, um sich selbst zu heilen. Eben nicht nur zum zunehmen, sondern auch um den Hormonhaushalt wiederherzustellen, alle Organe wieder zu versorgen, Haare und Haut wieder zum strahlen zu bringen so wie auch um alle auftretenden Schäden wieder zu beseitigen (wie im meinem Falle zum Beispiel die verminderte Knochenmasse als Folge der jahrelangen Restriktion und dem Untergewicht). Eine Essstörung kommt selten allein: sie wirkt sich nicht nur auf das Gewicht aus, sondern schädigt den ganzen Körper des Erkrankten.

Wer von seiner Essstörung heilen möchte, muss viel essen und zunehmen. Punkt. Es gibt keinen anderen (oder einfacheren) Weg dran vorbei. Essen ist eben nicht nur nötig, um wieder zu Normalgewicht zurückzugelangen, sondern auch um all die durch die Restriktion verursachten Schäden zu reparieren. Wenig essen ist, was dich krank gemacht hat. Viel und ausreichend zu essen ist, was dich gesund machen wird. Es ist deine Medizin.

Auch vom psychischen her ist es unabdingbar, ohne Regeln oder Restriktion zu essen. Man muss sich der Angst stellen, um sie zu überwinden: kalorienreiches Essen, Fear Foods, Kohlenhydrate, Fette, Öle, Salz, Süßes, "Ungesundes" und, und, und. Du kannst nicht erwarten, zu Freiheit zu gelangen, während du dich immer noch an all diese essgestörten Regeln hältst.


Darüber hinaus hilft dir eine ausreichende Menge an Essen (und damit an Energie) dabei, klarer zu denken. Am Tiefpunkt meiner Essstörung 2015/2016 war ich von den schlimmsten Ängsten und Depressionen geplagt, die ich je erlebt hatte. Was mir Besserung verschafft hat? ESSEN. Ich aß mehr und die Ängste wurden geringer. Sie sind noch da, aber nicht mehr so extrem wie damals, als ich sie täglich intensiv zu spüren bekam. Aber auch jetzt merke ich, dass ich allgemein viel rationaler denken, mich besser konzentrieren kann und dass meine Laune auch um einiges besser und stabiler ist. Und ich bin schon gespannt darauf, wie gut ich mich fühlen werde, wenn sich mein Körper wieder auf einem gesunden Gewicht eingependelt haben wird. Denn bei einem gesunden Gewicht funktioniert alles einfach viel besser im Körper und in der Psyche.

Das Ding bei der ganzen Sache ist halt, dass man Angst hat, "zu viel" zu essen und bis ins Unendliche zuzunehmen. Doch wer sagt, dass das auch so kommen wird? Und selbst wenn gäbe es auch dafür eine Lösung. Man sollte sich von dieser Angst weder einschüchtern noch aufhalten lassen. Die Alternative wäre, auf ewig mit einer Essstörung zu leben, immer irgendwelche Diäten zu halten und mit den Folgen der Mangelernährung zu leben. Sich der Angst zu stellen, genug zu essen und all diese Regeln in den Wind zu schießen gibt dir die Chance, Heilung zu erfahren. Und der Schmerz des sich-der-Ansgt-stellen ist definitiv kürzer als der Schmerz, der dich erwarten würde, wenn du weiterhin (dein ganzes Leben lang) den Befehlen der Essstörung gehorchen würdest.

Essen ist Medizin. Das einzige, was einen Essgestörten heilen kann, ist Essen. Und je mehr davon, desto besser. (so zumindest meiner Ansicht nach)

P.S.: Wer mehr über dieses Thema wissen will, dem kann ich sehr den tumblr Blog Let's Recover empfehlen (ich hab euch das faq verlinkt, da sind viele Fragen diesbezüglich beantwortet worden)

Tipps für Yoga-Anfänger

Im Sommer 2016 rollte ich zum ersten Mal meine Yoga-Matte bei mir zu Hause aus. Ohne viel drüber nachzudenken, klickte ich auf das erstbeste "Yoga für Anfänger"-Video auf YouTube und begann meine erste richtige Praxis überhaupt, ohne zu wissen, wohin sie mich eines Tages mal hinführen würde.

Wie bei fast allen Dingen im Leben, traf auch hier der Spruch "Aller Anfang ist schwer" zu. Ich begab mich auf unbekanntem Terrain und wusste nicht, auf was ich mich da einließ. Vor allem war es schwer, den ganzen neuen Begriffen zu folgen: Kindsposition, Krieger 1, Schulterbrücke, Flow und so weiter. Wer blickt da denn als Neuling schon durch?

Falls du selbst gerade noch am Anfang stehst bzw. du noch gar nicht weißt, wo du überhaupt beim Yoga anfangen sollst, habe ich die hier ein paar Tipps zusammengestellt, die dir helfen können, einen reibungslosen Start für deinen Yoga-Weg hinzulegen.

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1. Fang langsam an

Einen der größten "Fehler", die man anfangs machen kann, ist sich gleich an die richtig fordernden, auspowernden Flows zu wagen. Das wird dir nur den Spaß nehmen, sodass du schnell aufgibst und gar nicht erst in den Genuss der wohltuenden Aspekte des Yoga kommst, die sich mit fortschreitender Praxis offenbaren werden.
Ich rate dir, dass du dir zu Beginn nur Anfänger-Videos oder Anfänger-Kurse vornimmst. Diese bieten dir einen sanften Start in das Thema, ohne dich noch mehr als nötig zu überfordern.
Du lernst Schritt für Schritt die Basics, die richtige Ausrichtung in den einzelnen Posen (was sehr wichtig ist, um Verletzungen vorzubeugen!) und wie man richtig atmet. Vielleicht klingen diese Punkte eher belanglos für dich, doch glaube mir: sie spielen eine sehr wichtige Rolle im Yoga.
In fortgeschritteneren Kursen wird nämlich davon ausgegangen, dass der Teilnehmer die Basics beherrscht, sodass dieser sich mehr auf sich selbst statt auf die Stimme des Lehrers und die richtige Ausrichtung fokussieren kann. Stell dir nun vor, du kommst als kompletter Anfänger in so einen fortgeschrittenen Kurs - du musst die ganze Zeit gucken, was die anderen machen, spürst den Effekt der einzelnen asanas (Sanskrit für die Posen im Yoga) nicht oder führst sie gar falsch aus. Du bekommst einen schlechten ersten Eindruck, der dir total die Neugierde und Lust am Yoga nimmt.
Gehe also Schritt für Schritt vor und lerne erst die Basics, bevor du dich an forderndere Flows rantraust.

2. Vergiss die Form und fokussiere dich auf das Fühlen

Wenn man auf Social Media die vielen Yoga-Accounts anschaut, bekommt man schnell den Eindruck, dass es bei dieser Praxis nur darum geht, sich in komplizierte Posen reinzuzwängen. Man sieht Yogis, die sich im Unterarmstand präsentieren, ihren Fuß hinter den Kopf klemmen oder sich auf andere Weise total verknoten. Darum geht es definitiv nicht im Yoga. Es kommt nicht darauf an, wie stark oder flexibel du bist - im Yoga kommt es ganz darauf an, wie du dich fühlst. Und das auch nicht nur während du auf der Matte bist, sondern auch wenn du wieder in deinen gewohnten Alltag zurückkehrst. Was machen die einzelnen Asanas mit dir? Welche Gedanken oder Gefühle kommen beim üben auf? Wo bemerkst du Blockaden?
Yoga hat weniger mit dem körperlichen Aspekt zu tun, als man denkt. Ich spreche auch gerne von "Meditation in Bewegung". Es soll dir helfen, mehr körperliche und geistige Gesundheit zu erlangen. Und dafür braucht es keine ultrakomplizierten Positionen.

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3. Bring Abwechslung in deine Praxis

Jedes Mal dasselbe in deinen Yoga-Sessions zu machen, ist nicht nur langweilig, sondern wird dir auch nicht helfen können, weiter voranzukommen in deiner Praxis. Abwechslung ist hier das Stichwort. Probiere neue Yoga-Stile aus (Yin, Hatha, Vinyasa, Shivananda, Kundalini,...), besuche andere Yoga-Studios/gehe zu anderen Lehrern, probiere Videos von verschiedenen YouTube-Kanälen aus, wage dich vielleicht sogar schon ans nächste Level.
Dieser Punkt hat mich sehr viel weiter in meiner eigenen Praxis gemacht. Ich wagte mich aus meiner Komfortzone und besuchte einen Kurs, wo ich die beruhigende, positive Energie eines Yoga-Studios zum ersten Mal genießen konnte. Yin Yoga war das Mittel, was mir zu mehr Flexibilität verholfen hat. Mittelstufen-Yoga zu praktizieren zeigte mir neue asanas, an denen ich mich ausprobieren konnte.
Hast du schon seit einer Weile Yoga praktiziert, dann traue dich ans nächste Level ran! Neue Herausforderungen machen Spaß und zeigen dir ganz neue Aspekte des Yoga und von dir selbst.

4. Etabliere eine Routine

Damit du auch dran bleibst, ist es hilfreich, sich eine Routine fürs üben aufzubauen. Dabei gilt: jeden Tag vielleicht 15 Minuten sind besser als anderthalb Stunden ein Mal in der Woche. So baust du allmählich deine Fähigkeiten und dein Wissen auf und kommst natürlich möglichst oft in den Genuss der Vorteile, die Yoga bietet.
Hierbei sollte aber auch der nächste und letzte Tipp in Betracht gezogen werden...

5. Zwinge dich nicht

Yoga soll dir helfen, dass du dich besser fühlst - körperlich und geistig. Wenn du dich auf die Matte zwingst, bleibt dieser Effekt höchstwahrscheinlich aus. Rechne damit, dass du nicht jeden Tag üben möchtest und vor allem auch, dass du nicht jeden Tag dieselbe Kraft, Ausdauer, Konzentration und Flexibilität an den Tag legen wirst. Das ist vollkommen normal und menschlich. Du wirst staunen, aber selbst erfahrene Yogalehrer haben Tage, an denen sie keinen Bock auf Yoga haben.
Wenn es zur Routine wird, dass du dich auf die Matte zwingst (oder auch in bestimmte asanas), dann geht der Spaß am Yoga verloren. Deswegen: höre auf dich selbst und mach dann Yoga, wann du es brauchst, wann du es willst. Wenn du weißt, dass du dich nach einer kleinen Praxis besser fühlen wirst, dann: go for it! Wenn sich aber alles in dir danach sträubt, durch eine Sequenz zu fließen, dann lass es für heute lieber sein und tu dir stattdessen auf andere Weise etwas Gutes.
Manchmal tun Pausen vom Yoga auch ganz gut, um wieder mehr Gefallen daran zu finden, um "die Leidenschaft wieder neu aufflammen zu lassen". Ich spreche da aus Erfahrung und kann nur bestätigen, dass Auszeiten dabei helfen, neue Motivation und Inspiration zu sammeln - und das gilt für weitaus mehr Dinge und Beschäftigungen als nur für den Yoga.

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Lass mich gerne wissen, wie dir diese Tipps gefallen, ob sie dir weiterhelfen konnten oder ob du sogar ein paar Tipps für Yoga-Anfänger parat hast!

Was ist Selbstliebe?

Selbstliebe hier, Selbstliebe da - der Begriff "Selbstliebe" wird überall herumgeworfen wie Konfetti. Liebe und akzeptiere dich selbst, so wie du bist, heißt es immer. Zeige dir selbst Respekt. Lehn dich zurück und nimm dir eine Auszeit vom Alltagsstress. All diese gut gemeinten Ratschläge und Aufforderungen, doch keiner weiß in Wahrheit so wirklich, was es mit der Selbstliebe auf sich hat - so zumindest mein Gefühl. Was meint man nun damit? Und warum sollte man sich selbst lieben? Ist es nicht egoistisch, sich selbst anderen vorzuziehen?

Selbstliebe verstehen


Nimmt man den Begriff Selbstliebe auseinander, so hat man die Worte "Selbst" und "Liebe" vor sich stehen. Ersteres erklärt sich von allein: es hat mit einem "selbst" zu tun, ist auf eine Person ausgerichtet, auf sich selbst bezogen. "Liebe" hingegen lässt sich nicht so einfach erklären. Wikipedia sagt dazu:
"Liebe ist eine Bezeichnung für stärkste Zuneigung und Wertschätzung. Nach engerem Verständnis ist Liebe ein starkes Gefühl, mit der Haltung inniger und tiefer Verbundenheit zu einer Person (oder Personengruppe), die den Zweck oder den Nutzen einer zwischenmenschlichen Beziehung übersteigt und sich in der Regel durch eine entgegenkommende tätige Zuwendung zum anderen ausdrückt."
So gesehen versteht sich "Selbstliebe" als ein starkes Gefühl der Wertschätzung zu einem selbst. Vielleicht sollte man hier aber noch eine Trennung zwischen Selbstliebe im Sinne der Selbstannahme und Selbstliebe im Sinne der Selbstsucht vornehmen - der Begriff is also Synonym für mehrere Phänomene.

Genau deswegen wird er meiner Ansicht nach auch so oft missverstanden: die Menschen verstehen unter Selbstliebe eine narzisstische, egoistischen Verhaltensweise, die das Wohlbefinden des Umfelds abtut, bei der sich alles nur um einen selbst dreht.

In dem Sinne, in dem ich den Begriff Selbstliebe verwende, ist gemeint, sich selbst zu achten und wertzuschätzen - und zwar genau so, wie man bereits ist. Es ist das bedingungslose annehmen des selbst. Ähnlich wie in einer romantischen Beziehung bedeutet es, den Partner - im Falle der Selbstliebe also man selbst - mit allen "Fehlern" und "Makeln" vollkommen anzunehmen, ihn wertzuschätzen, ihm seine Zuneigung zu zeigen, immer dessen höchstes Wohl im Sinne zu haben, sich liebevoll um ihn zu kümmern und immer für ihn da zu sein, "in guten wie in schlechten Zeiten". Das alles aber ohne "süchtig" nach dem Partner zu werden. Die Sucht nach irgendetwas oder irgendwem war für den Menschen (und dessen Beziehungen) noch nie dienlich gewesen.


Es sollte demnach ein gutes, gesundes Maß an Selbstliebe etabliert werden, ohne Extreme in die eine oder andere Richtung. Gerade aber in unserer heutigen Gesellschaft erlebt man bei den Menschen eher eine Neigung hin zu dem Extrem "keine Selbstliebe", also den Selbsthass - die Abscheu vor einem selbst, die nicht selten auch mit einer Selbstzerstörung einhergeht.

Auf der anderen Seite: Selbsthass


Mir tut sich oft die Frage auf, was in einem Menschen vorgehen muss, dass er in Selbsthass verfällt. Man könnte meinen, dass jemand, der selber mit Selbsthass zu tun hat - wie auch ich eben - diese Frage beantworten könnte. Doch eine klare Antwort habe ich nicht. Was ich aber beobachte ist, wie unsere Gesellschaft dazu tendiert, andere schlecht zu machen. Das zeigt sich in den viel zu hohen Ansprüchen, die dem Menschen gestellt werden, wie er zu sein haben muss. Die Medien, die einem verklickern, man sei nicht gut genug so wie man ist. Dieser kranke Wettbewerb bei allem und jeden, wo doch auch der Spaß an der Sache total verloren geht.

Im Versuch, einen "Übermenschen" zu erschaffen - ein perfektes, erfolgreiches, wunderschönes und zugleich intelligentes und sportliches Wesen - kreiert unsere Gesellschaft nur mehr total unglückliche und ausgelaugte Individuen. All diese Ansprüche, die an uns gestellt werden und die wir schließlich nicht erfüllen können, treiben uns in den Wahnsinn, in Stress und lassen uns letztendlich glauben, dass wir nicht gut genug seien, weil wir eben diesen Ansprüchen nicht gerecht werden können. Als Resultat entsteht Selbsthass.

Und um nochmal auf die Frage zurückzukommen, ob Selbstliebe denn nicht egoistisch ist: Ist Selbsthass denn nicht noch egoistischer? Man konzentriert all seine Energie auf das Selbst - das grässlich erscheinende, faule, nichtsnutzige Selbst. Man verwendet es dazu, sich selbst zu zerstören. Selbstliebe hingegen bewirkt, dass wir uns entspannter verhalten (da wir uns nicht im Kampf mit uns selbst befinden) und unsere Energie dafür nutzen können, diese Welt zu einem besseren Ort für alle zu machen. Der Fokus wendet sich eher von einem ab, da man mit sich selbst im reinen ist und mehr Kraft für die wichtigen Dinge im Leben hat.

Warum Selbstliebe so wichtig ist


Die Bedeutung und Wichtigkeit der Selbstliebe wird darüber hinaus zum einen auch noch klar, wenn man sich vor Augen führt, was der Selbsthass mit sich bringt: man lebt ungesund, sieht keinen Sinn im Leben, verliert jeglichen Spaß an den Dingen, die man tut, und befindet sich in einem ständigen Kampf mit einem selbst. Das klingt ziemlich depressiv, nicht wahr? Wie will man ein schönes Leben führen, wenn man sich gar nicht wohl fühlt in der eigenen Haut?

Selbstliebe hingegen bringt mehr Lebensfreude, Glück, Gesundheit, Kraft und positive Energie mit sich. Sie ist so wichtig, weil wir Menschen eben auch wichtig sind. Und das ist nicht in dem Sinne gemeint, dass der Mensch wie ein Gott über allem steht. Nein, aber jeder Mensch ist für seine eigene Realität, für dieses Leben auf Erden von Bedeutung. Jeder einzelne erfüllt einen Zweck auf Erden, mag er auch nur so klein und nichtig sein. Ein einzelner Mensch kann viel bewirken - dafür muss er nur an sein eigenes Potenzial glauben und sich selbst anerkennen.

Aber auch auf kleine Sicht gesehen ist Selbstliebe bedeutsam: wenn wir in der Lage sind, uns selbst anzuerkennen und wertzuschätzen, lassen wir uns weniger von anderen Menschen manipulieren, die meinen, über uns zu stehen. Auch uns selber manipulieren wir weniger, da wir uns unserer eigenen Stärke bewusst sind. Wir sind gelassener, freier, glücklicher. Wir können unsere Liebe mit den Menschen um uns herum teilen. Wir können auch mehr Liebe zulassen. Wir stehen für uns selbst ein. Wir leben gesünder, da wir unseren Körper wertzuschätzen wissen. Alles macht mehr Spaß, da wir uns keine Gedanken mehr darum machen, wie bescheuert wir jetzt vielleicht bei dieser einen Sache aussehen mögen.
Alle Bilder in diesem Post habe ich auf Pinterest gefunden
Ich könnte die Liste noch weiter fortsetzen, genauso wie diesen Post, aber fürs erste soll das erstmal genug sein. Zum Abschluss möchte ich nur noch sagen: Selbstliebe ist dein Geburtsrecht. Du musst es dir nicht erst durch harte Arbeit verdienen. Sie ist jederzeit da und wartet darauf, von die erlebt zu werden. Es ist deine Entscheidung: nutze ich die wunderbare Kraft der Selbstliebe, die mir jederzeit gegeben ist, oder beschließe ich, weiterhin im Kampf mit mir selbst zu sein?

In diesem Sinne: feiere dich selbst und schenk dir selbst Liebe.

"Where Focus Goes, Energy Flows"

Ich habe gefühlt ewig nichts mehr hier gepostet - das liegt daran, dass das "wirkliche" Leben endlich bei mir stattfand. In den letzten Wochen habe ich viel bewältigen und Fortschritte machen können: ich habe einen Minijob angefangen, mich weiterhin auf meine Yoga-Ausbildung konzentriert, bin mehr rausgegangen, habe mich mit Freunden getroffen, neues ausprobiert und auch an mir selbst gearbeitet. Mein Fokus verlagert sich allmählich weg von dem Thema "Recovery" und mehr zu dem, was ich WIRKLICH im Leben will. Und das ist großartig. Es ist nicht so, dass ich jetzt, wo ich nicht mehr 24/7 an Recovery denke, mich total gehen lasse. Nein, es ist eher sogar das Gegenteil der Fall: je mehr ich mich auf die Dinge fokussiere, die im Leben wirklich eine Rolle spielen, desto leiser wird die Stimme der Essstörung in meinem Kopf. Je weniger Aufmerksamkeit ich ihr schenke, desto mehr schrumpft sie.

Klar habe ich noch so meine "Problemchen" und bin nicht komplett geheilt von der Magersucht. Aber ich bin auf dem besten Weg seit Jahren. Weil ich immer mehr verstehe, worum es im Leben eigentlich geht. Weil ich immer mehr sehe, dass die Essstörung nur Lügen erzählt. Weil ich ich selbst sein möchte.

"What you focus on, grows" - das hört man ja ziemlich oft, vor allem wenn man sich mit Spiritualität beschäftigt. Und es könnte echt nicht wahrer sein: worauf man sich am meisten fokussiert, das wird auch zum Lebens-Mittelpunkt. So gesehen geben wir zum Beispiel der Essstörung nur noch mehr Kraft, wenn wir uns auf Themen wie Essen, Sport, backen, kochen usw. beschäftigen, auch wenn sie sich von "so wenig wie möglich" zu "so gesund und ausreichend wie es nur geht" hin bewegt. Denn selbst wenn wir uns auf Recovery konzentrieren, geben wir der Essstörung noch Aufmerksamkeit, denn wir befassen uns damit gleichzeitig mit der Bekämpfung der Essstörung.

Gefunden bei Pinterest
Natürlich ist es tausendmal besser, sich auf Recovery statt auf die Essstörung zu fokussieren - darin besteht kein Zweifel. Aber vielleicht wäre es ja besser, sich auf ein "normales" Leben zu konzentrieren? Das Essen Essen sein lassen. Ein wenig Sport als Teil eines gesunden Lifestyles anzusehen. Dinge tun, die gesunde und "normale" Menschen auch tun, wie sich mit Freunden treffen, Hobbys nachgehen usw.. Mir hat es extrem geholfen zu verstehen, dass meine "Obsession" rund um das Thema Essen und Ernährung zu einem Großteil durch die Essstörung verursacht worden ist. Früher spielten diese Themen nur eine kleine Rolle in meinem Leben: da war Essen für mich Energie, Genuss und auch ein Mittel, mich mit Familie und Freunden zu versammeln und gemeinsam eine schöne Zeit zu haben. In diesem Post hier bin ich bereits ausführlich darauf eingegangen, was ein Hungerzustand mit dem Menschen, mit seinem Körper und seiner Psyche, anstellt - wenn du also mehr darüber erfahren willst, lies dir den am besten nochmal durch. Ich bin auf jeden Fall der Überzeugung, dass Essen nicht den Lebensmittelpunkt einer Person darstellen sollte, außer natürlich diese Person ist beruflich auf diesem Gebiet unterwegs oder hat eine Leidenschaft dafür, die aber keine krankhaften Züge aufweist.

Nicht zuletzt isoliert man sich in gewisser Weise auch von der Welt, indem man sich nur in seiner eigenen "Recovery-Blase" aufhält und den Blick für die eigentliche Welt da draußen verliert. Durch die Krankheit habe ich lange Zeit ein Stück von mir selbst vergessen - der Anteil in mir, der Videospiele liebt, der gerne mal Scherze macht, sich der Welt zeigen möchte. Jetzt, wo ich meinen Fokus weg von Recovery und Krankheit lege, geht es mir einfach tausendmal besser und ich fühle mich mehr wie ich selbst. Und wie habe ich das gemacht, den Fokus auf etwas anderes zu richten? Indem ich mich aktiv von diesen essgestörten Themen wegbewegt habe. Habe ich mich dabei ertappt, wie ich im Buchladen stundenlang bei den Rezeptbüchern stand, hab ich mir "STOPP" gesagt und bin zu den Romanen oder gleich aus den Laden rausgegangen. Wollte ich eine Kochshow ansehen, hab ich mich für einen Anime, ein Teenie-Drama oder eine Komödie stattdessen entschieden. Also muss man erst einmal schauen, welche die Handlung ist, die von der Essstörung kommt und sich dann bewusst dagegen und für eine normalere, "gesündere" Handlung entscheiden. Anfangs fiel mir das extrem schwer, vor allem eben wenn man noch sehr am Anfang seiner Genesung ist, aber je öfter man es tut, desto einfacher wird es, so wie bei fast allem in Leben.


Jede Entscheidung zählt, so klein sie auch sein mögen. Sie werden sich aufaddieren. Ein Akt gegen die Krankheit pro Tag bedeutet 365 Schritte zur Gesundheit pro Jahr. Das wichtigste dabei: den Fokus nicht aus den Augen lassen. Sich immer wieder daran erinnern, was man möchte. Und danach handeln. Man kann nur gesund werden, indem man sich gesund verhält, gesund denkt.

Wiegen in Recovery? - Meine Erfahrungen

Ganz am Anfang, als ich meinen Blog gestartet habe, hatte ich schon mal einen Post über dieses Thema geschrieben. Mit der Zeit änderten sich aber einige Dinge bei mir, weswegen ich ihn wieder gelöscht habe... Darum greife ich das Thema nun nochmal auf: wiegen in Recovery.

Zu meinen schlimmsten Zeiten habe ich mich mehrere Male pro Tag gewogen - morgens, mittags und abends. Die Zahl auf der Waage entschied oft über meine Laune und auch über mein Essverhalten. Dabei kann ich nicht direkt sagen, ob ich mich gefreut hatte, als die Zahl nach unten ging. Auf jeden Fall war meine Laune aber schlecht, wenn die Zahl nach oben ging. Das wiegen war ein Ritual - nein, es war eine SUCHT, ohne die ich nicht konnte. Wenn es möglich war, nahm ich die Waage sogar mit in den Urlaub, um selbst dort mein Gewicht überwachen zu können.

Am Anfang meiner Genesung habe ich mich weiterhin gewogen, aber wenigstens nicht mehr so oft wie vorher. Es fiel mir alles andere als leicht, zu sehen, wie die Zahl langsam anstieg, weswegen ich meist wieder weniger aß, um dem entgegen zu wirken. So entstand dann ein hin und her zwischen zwei Zahlen und ich machte eigentlich gar keine Fortschritte. Zu anderen Zeiten hatte mich meine Mutter gewogen, damit sie sich versichern konnte, dass es mit meinem Gewicht voranging. Das hatte ich über alles gehasst, weil es sich so anfühlte, als hätte nun jemand anderes die Kontrolle über mein Gewicht übernommen. Als Resultat schummelte ich beim wiegen, indem ich vorher Wasser trank oder mir schwere Sachen in die Klamotten steckte. So lief es auch, als ich zum Arzt musste. Auf lange Sicht war das also auch keine Lösung für mich.

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Irgendwann habe ich das wiegen dann ganz sein lassen. Von ein auf dem anderen Tag habe ich die tägliche Gewichtskontrolle am Morgen einfach ausfallen lassen und die Waage, die ich mir irgendwann mal heimlich zugelegt hatte, meiner Mama gegeben, damit sie sie vor mir versteckt und ich somit nicht mehr in die Versuchung komme, mich zu wiegen. Ab dem Moment wurde ich so viel freier wie schon lange nicht mehr - mein Gewicht nicht mehr zu wissen half mir, lockerer beim essen zu werden. Einfach deswegen, weil ich mir nicht mehr einen Kopf darum gemacht habe, was die Zahl auf der Waage am nächsten Morgen sagen würde. Der Schritt war nicht leicht, aber was ist schon einfach? Natürlich war ich nicht komplett frei im essen, aber es hat mir immens geholfen, nicht nur mehr, sondern auch wieder Dinge wie Nudeln, Salz und Reis zu essen. Es war ein richtiger Schritt in die Richtung und ein kleiner Befreiungsschlag für mich. Und da das auch meine Eltern erkannten, verzichteten sie ebenfalls darauf, mein Gewicht wissen zu wollen. Das machte alles noch viel entspannter für mich. Lediglich beim Arzt musste ich mich noch auf die Waage stellen, aber da haben wir uns geeinigt, dass ich "blind" gewogen werde. Also ich stelle mich so auf die Waage, dass nur die Ärztin die Zahl auf dem Display sehen kann. Klar ist das auch ein komisches Gefühl, aber da ich zu dieser Ärztin ein besseres Verhältnis als zu meinem vorigen Arzt hatte, war ich damit einverstanden.

Irgendwann, gut ein Jahr später, stoß ich auf eine Studie über Essstörungen, an der ich teilnehmen wollte. Das Manko an dieser war, dass ich mich für diese nun wieder ab und zu wiegen müsste. Gepaart mit einem kleinen Rückfall, den ich zu dieser durchlitt, war das glaube keine gute Mischung. Nach so langer Zeit wieder sein Gewicht zu wissen war ein mega komisches Gefühl; als hätte ich all den Fortschritt des vergangenen Jahres mit einem Mal vernichtet, was aber so natürlich nicht stimmte. Anfangs kam wieder diese "Sucht" auf und ich wog mich mehrmals pro Tag, dann jeden Tag einmal und, sobald es mir wieder etwas besser ging, einmal pro Woche. Aber selbst als ich wieder auf einem guten Weg war, merkte ich, wie sehr ich mein Essverhalten noch an der Zahl auf der Waage anpasste. Also ließ ich die Abstände zwischen dem wiegen immer größer werden.

Im Moment wiege ich mich gar nicht mehr und ich kann mich auch nicht mehr erinnern, wann ich es das letzte Mal getan habe - vielleicht im November 2018? Ich weiß es nicht. Aber auf jeden Fall geht es mir gut damit. Ich habe nicht das Bedürfnis, mich auf die Waage zu stellen. Die Zahl will ich auch eigentlich gar nicht wissen. Für mich musste ich feststellen, dass Zahlen mich extrem triggern - somit nicht nur die Zahl auf der Waage, sondern auch Kalorienangaben und ähnliches. Manchmal frage ich mich aber, ob es wirklich so gut ist, die Waage ganz zu meiden. Immerhin soll daraus ja auch kein Vermeidungsverhalten entstehen. Aber dann frage ich mich auch wieder: braucht der Mensch überhaupt eine Waage? Ich denke schon. In Extremfällen wie eben Magersucht oder auch Adipositas ist es in gewisser Weise gut, einen Blick auf das Gewicht des Betroffenen zu werfen. Aber für einen gesunden Menschen? Eigentlich kenne ich kaum einen gesunden, normalen Menschen in meinem Umfeld, der sein Gewicht regelmäßig beobachtet. Und eigentlich ist es auch unnötig, denn das Gewicht sagt eigentlich fast gar nichts über den Gesundheitszustand des Menschen aus.

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Keine Ahnung, ob sich meine Meinung übers wiegen jemals wieder ändern wird, aber zum jetzigen Zeitpunkt habe ich das Gefühl, dass es mehr Schaden anrichtet als dass es hilft. Die Zahl nicht zu wissen gibt mir eine gewisse Freiheit. Und ich bin auch der Meinung, dass wenn meine Krankheit mit dem wiegen angefangen hat, ich es besser sein lassen sollte, wenn ich wieder gesund werden möchte. Jeder wird da andere Erfahrungen und Meinungen haben und ich möchte mit diesem Post auch definitiv niemanden kritisieren, der findet, dass ihm das wiegen hilft! Aber vielleicht können meine Worte dem ein oder anderen zum nachdenken anregen - was ich sehr hoffe! Gerne könnt ihr mir eure Meinung zu dem Thema in den Kommentaren dalassen.

Wenn sich die Gedanken nur noch ums Essen drehen...

Der erste Post im neuen Jahr - ich hoffe, dass du gut in das Jahr 2019 gestartet bist! Die letzten Wochen gab es hier eher wenig von mir zu hören, da natürlich zum einen Weihnachten anstand und ich arbeiten ging. Jetzt habe ich wieder etwas mehr Zeit und hoffe, etwas aktiver auf meinem Blog zu werden.

In diesem Post möchte ich auf eine Sache eingehen, die mich besonders in der Vergangenheit, aber auch jetzt ab und zu noch sehr beschäftigt: der permanente Gedanke ums Essen. Wenn sich alles nur noch ums essen bzw. nicht-essen dreht; wenn man lieber Kochbücher statt Romane liest; sich Food Diaries statt unterhaltsame Videos auf YouTube anschaut oder sich nicht mehr auf seine Hausaufgaben konzentrieren kann, weil man nur an das eine denkt: Essen.


Ich kann gar nicht beschreiben, wie belastend diese obsessiven Gedanken rund um dieses Thema sind. Egal ob man es will oder nicht, man denkt ganz automatisch an Essen. Es geht sogar so weit, dass man, wenn man einen Film anschaut, nur auf die Lebensmittel achtet, die die Schauspieler oder Figuren im Film essen. Mich hat zum Beispiel mal ein Kumpel darauf hingewiesen: er hat mir ein Video von seiner neuen Wohnung geschickt und das erste, was ich dazu sagen musste, war wie witzig ich es fand, dass er sein Toastbrot direkt neben dem Bett im Bücherregal gelagert hatte. Daraufhin hat er nur gesagt "Du achtest aber auch immer nur aufs Essen :D" Andere Male konnte ich nicht einschlafen, weil ich von Haferbrei fantasiert habe. In der Nacht musste ich sogar von Haferbrei träumen... Die Erleichterung war groß, als ich mir am nächsten Tag zum Frühstück meinen Brei kochen konnte.

Wie kommt es, dass sich alles im Kopf nur noch um dieses eine Thema dreht? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: weil der Körper Nahrung braucht. Der Körper schickt dir Signale ans Essen in der Hoffnung, dass du darauf reagierst und ihn fütterst. Höchstwahrscheinlich achtest oder hast du lange nicht mehr auf deine Hungersignale geachtet, also muss er jetzt auf andere Mittel und Wege zurückgreifen - deine Gedankenwelt. Selbst bei "normalen" Menschen ist es so, dass sie nur ans Essen denken können, wenn sie unglaublich großen Hunger haben. Da ist allerdings der Unterschied, dass diese Gedanken wieder vergehen, sobald sie gesättigt sind. Bei Menschen mit Essstörungen sieht das anders aus. Die Gedanken scheinen immer da zu sein, egal, wieviel man gegessen hat. Das ist wieder nur ein Zeichen dafür, in was für einem Mangelzustand sich dein Körper befindet. Deswegen kann es sein, dass du, obwohl du vielleicht schon am zunehmen bist und ordentlich isst, immer noch so viele Gedanken ums Essen hast. Dein Körper wird sich nicht von heute auf morgen komplett von der Hungerphase erholen - das braucht Zeit.

Bildquelle - ich fand das Bild iwie ganz passend :D
Was hilft nun gegen diese Gedanken? Das einzige, was langfristig hilft, ist genug zu essen. Und vor allem auch ausgewogen. Nur wenn du deinem Körper ausreichend Energie zuführst, baut er wieder Vertrauen zu dir auf und hört damit auf, dir permanent deine Gedankenwelt mit Bildern von Essen vollzustopfen. Wichtig ist eben auch, dass du nicht in die Falle gerätst und irgendwelche Lebensmittel aus deiner Ernährung ausschließt, wie beispielsweise Kohlenhydrate. Denn Verzicht auf eine Sache wird immer bewirken, dass sich die Gedanken um diese Sache anhäufen. (Wenn ich dir sage "Denke nicht an einen pinken Elefanten!" wirst du automatisch an diesen pinken Elefanten denken, stimmts? So ähnlich ist das auch bei der Ernährung: "Iss keine Kohlenhydrate!" und du wirst automatisch Gelüste nach Brot, Nudeln, Keksen usw. verspüren)

Natürlich braucht es dabei auch Zeit, bis die Gedanken ums Essen weniger werden. Aber ich persönlich finde es schon mal angenehmer mit diesen Gedanken umzugehen, wenn man sich dann auch erlauben kann, die Dinge zu essen, an die man die ganze Zeit denkt.

Ansonsten kann ich nur noch den Tipp geben, sich aktiv auf andere, wichtigere Dinge zu konzentrieren - Dinge, die einem vor der Essstörung Spaß bereitet haben, bei denen man alles andere um sich rum vergesset hat. Vielleicht ist das malen, sich mit Freunden treffen, Fotographie oder ähnliches. Und vor allem sollte man aktiv versuchen, NICHT auf Essensgedanken einzugehen. Wenn man sich zum Beispiel gerade dabei erwischt, wie man ein Food Diary nach dem anderen anschaut, dann SOFORT AUFHÖREN und ein Video angucken, in dem es garantiert nicht um Essen, kochen oder Fitness geht. Das hilft mir sehr dabei, den Fokus auf andere Dinge zu richten, auch wenn es erstmal nur eine eher kurzfristige Lösung ist.

Mittlerweile sind bei mir diese Gedanken zu Glück um einiges weniger geworden, wofür ich unglaublich dankbar bin. Trotzdem habe ich ab und zu noch Tage, wo sich diese Essensgedanken wieder anhäufen. Aber schon allein im Vergleich zu vor ein, zwei Jahren ist es echt besser geworden.

Ich hoffe, dass dir der Post helfen konnte. Wenn du gerade in dieser Situation bist und nur ans Essen denken musst, dann versichere ich dir hiermit, dass es wieder besser wird, wenn du deinem Körper gibst, wonach er verlangt, was er braucht. Du schaffst das.

Ist vollständige Heilung von einer Essstörung möglich?

Ich denke, dass sich Jeder, der an einer Essstörung leidet, früher oder später die Frage stellen wird, ob man jemals wieder vollständig gesund werden kann - ob man wieder normal leben, normal essen kann; ob man diese zwanghaften Gedanken und Gewohnheiten loslassen kann; oder ob man für immer und ewig einen Teil der Krankheit in sich tragen wird. Die Meinungen zu diesem Thema gehen dabei etwas auseinander: Manche meinen, eine vollständige Heilung sei nicht möglich, Andere wiederum haben eine gegenteilige Meinung. Meine Sichtweise zu diesem Thema möchte ich in diesem Blogpost mit euch teilen.



Meine Definition einer "vollständigen Heilung"
Zu allererst ist es meiner Meinung nach wichtig, die Frage zu klären, was man unter "vollständiger Heilung" versteht. Es ist schwer, meine Definition von "vollständiger Heilung" in ein paar Worte zu fassen, da diese auf so viele verschiedene Bereiche ausgeweitet werden kann. Um es so kurz wie möglich zusammenzufassen, würde ich sagen, dass Heilung für mich "FREIHEIT" bedeutet. Frei von kranken, belastenden und zwanghaften Gedanken wie auch Gewohnheiten; ein gesundes Verhältnis zum Essen und zum Sport; so wie auch sich selbst zu akzeptieren und zu lieben. Heilung sollte sich auf die Psyche und die Physis beziehen. Somit bedeutet sie auch für mich, dass man ein gesundes Gewicht hält, Hunger- und Sättigungsgefühle im Gleichgewicht sind (ohne Heißhungerattacken oder ähnlichem), dass man als Frau seine Periode wieder regelmäßig bekommt und man wieder genug Kraft und Stärke zum leben besitzt.

Ist eine vollständige Heilung nun meiner Meinung nach möglich?
Im Prinzip glaube ich an eine vollständige Heilung - ich denke, dass man wieder ein normales, gesundes und glückliches Leben führen kann. Je nach Krankheitsgeschichte kann es aber natürlich auch zu Folgeschäden kommen, die das Leben selbst nach vielen Jahren symptomfrei beeinträchtigen können (wie etwa Osteoporose oder Unfruchtbarkeit). Aber ich denke auch, dass man vielleicht etwas vorsichtiger mit bestimmten Themen umgehen muss, auch wenn man als "gesund" bezeichnet wird, um eventuelle Rückfälle zu verhindern. Das kann zum Beispiel Sport sein (nicht, dass man nach einer Essstörung in eine Sport- oder Fitnessucht rutscht - ein normaler Umgang mit Sport, ohne in Extreme zu rutschen oder sein ganzes Leben danach auszurichten). Eventuell ist es auch besser, sich von potenziell triggernden Jobs fernzuhalten, wie Modeljobs oder Tätigkeiten, in denen ein besonderes Augenmerk auf Themen wie Aussehen und Ernährung eine große Rolle spielen. Und vor allem muss man auch in sehr schwierigen Lebensphasen vorsichtig sein, dass man nicht auf essgestörte Verhaltensweisen zurückgreift, um negative Emotionen oder Stress zu kompensieren.

Nichtsdestotrotz sehe ich diesen Zustand auch als "vollständig geheilt" an. Auch wenn man an der ein oder anderen Stelle vielleicht etwas vorsichtig sein muss, kann man ein normales, glückliches und gesundes Leben führen. Es gibt mehrere tausend Menschen, die heute gesund und frei sind nach jahrelanger Essstörung. Sie sind Beweis, dass es möglich ist, gesund zu werden.

Aber spielt diese Debatte um eine "vollständige Heilung" überhaupt eine Rolle?
Vor einiger Zeit hatte ich ein sehr augenöffnendes Gespräch mit meiner Therapeutin über dieses Thema gehabt. Ich fragte sie nach ihrer Meinung, ob sie denkt, dass man von so einer Krankheit heilen kann. Und sie meinte sofort, dass diese Frage doch total unwichtig sei. Würde es etwas an meiner jetzigen Situation und meiner Entscheidung, zu recovern, irgendetwas ändern, wenn ich eine Antwort auf diese Frage wüsste? Nein! Denn es ist doch egal, ob man zu 75, 84 oder 100% geheilt werden kann. Hauptsache, man wird gesünder und bleibt nicht für ewig in derselben miserablen, kranken Situation stecken. 50% gesund sind immer noch besser als 1% gesund, obwohl man natürlich immer die 100% anstreben sollte. Der Kampf gegen die Krankheit lohnt sich, ganz gleich, ob man komplett oder "nur" ein großes Stück seiner Gesundheit wiederherstellen kann.

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Gerne würde ich über eure Sichtweise zu dem Thema in den Kommentaren hören/lesen. Ich weiß, wie sehr da die Meinungen auseinandergehen, deswegen würde ich mich sehr über ein paar Beiträge echt freuen. Und ich hoffe natürlich, dass dieser Post den ein oder anderen inspirieren konnte!

Meine 5 wichtigsten Erkenntnisse

In den letzten Jahren konnte ich einige Erkenntnisse sammeln, die mir auf meinem Weg aus der Essstörung immens geholfen haben. Die wichtigsten habe ich in diesem Post zusammengefasst:

1. Gedanken können dir nicht wehtun, außer, du lässt es zu. Es sind "nur" Gedanken. Sie entsprechen nicht immer der Realität. Wir können vielleicht nicht immer kontrollieren, was genau wir denken, doch wir haben die Macht, uns zu entscheiden, welchen Gedanken wir Glauben schenken wollen und welchen nicht.
Ein Beispiel: Ich stehe vor dem Spiegel und denke "Ich bin zu dick". Im ersten Moment schenke ich diesem Gedanken Glauben, suche nach Argumenten, die diesen Gedanken befürworten. Doch wenig später blicke ich rational auf die Situation: es ist die Essstörung, die mir genau das einreden will und daher auch meine Sicht etwas verzerrt (Körperschemastörung). Solange ich laut Arzt noch untergewichtig bin bzw. mein Gewicht im Normalbereich liegt, kann ich nicht dick sein. Die Krankheit versucht einfach nur wieder, mich runterzureißen und zum abnehmen zu bewegen. Möchte ich das? Nein! Der Gedanke ist eine Lüge, er entspricht nicht der Wahrheit. Deswegen sollte ich auch nicht weiter an ihm festhalten.
Genauso gut hätte ich aber auch auf den Gedanken eingehen können. Hätte ich ihm geglaubt, wäre ich den ganzen Tag lang mies gelaunt gewesen, hätte mein Essen wahrscheinlich reduziert oder mehr Sport gemacht. Ich hätte mir eingebildet, dass meine Hüften ausladender geworden sind, mein Gesicht fülliger wirkt und meine Sachen enger sind. Aber nichts von dem ist wahr. Es ist NUR ein Gedanke.
Klar ist es nicht so einfach wie es hier dargestellt ist, aber je öfter man sich vor Augen hält, dass es ja "nur" Gedanken sind, desto besser lernt man mit ihnen umzugehen.


2. "Things tend to scream when they get killed" - das Zitat ist von Amalie's Blog "Let's Recover" und ich sage es mir immer wieder, wenn ich extrem schlechte Phasen durchmache. Dann erinnert mich dieser Spruch daran, dass diese negativen Gedanken aufkommen, weil ich höchstwahrscheinlich etwas getan habe, dass die Essstörung schwächer werden lässt. So paradox es auch klingen mag, aber wenn man sich schlecht fühlt, weil man z.B. ein "Fear Food" oder ähnliches gegessen hat, dann hat man ja eigentlich alles richtig getan, auch wenn man jetzt vielleicht schuldig fühlt. Diese Schuldgefühle sind ein Beweis dafür, dass man GEGEN die Krankheit vorgegangen ist und etwas FÜR seine Gesundheit getan hat!

3. Ich allein bin verantwortlich für meine Genesung - kein anderer kann für mich "gesund werden". Ich wünschte, ich hätte das schon viel viel eher realisiert. Im Prinzip ist es eigentlich offensichtlich, dass nur man selbst für seine Gesundheit etwas tun kann. Natürlich kann man auch die Hilfe eines Arztes oder Therapeuten in Anspruch nehmen, doch deren Hilfe wird nur Früchte tragen, wenn man aktiv mit ihnen zusammenarbeitet und deren Ratschläge umsetzt. Essen muss man selber. Zunehmen muss man auch selbst erledigen. Ängste können auch nur von einem selbst überwunden werden. Diese Arbeit kann kein Arzt der Welt für einen übernehmen.

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4. Es gibt keinen "leichten" Weg. Manchmal muss man einfach ins kalte Wasser springen. In unserer heutigen, modernen Welt scheint es für jedes Problem ein Wundermittel oder eine Abkürzung zum Ziel zu geben. So aber nicht im Fall einer Essstörung. Es gibt nicht DIE eine Methode, mit der man es schmerzlos und schnell aus der Krankheit schafft. Es führt kein Umweg darum, seinen Ängsten ins Gesicht zu blicken. Man muss wortwörtlich in den sauren Apfel beißen, um gesund werden zu können. Aber genau diese Dinge im Leben, die viel Überwindung und harte Arbeit kosten, sind es am Ende am meisten wert.
Es hilft nicht, ewig nach einer "perfekten" Lösung für sein Problem zu suchen. Es gibt keinen "quick fix". Man muss manchmal "einfach" machen - obwohl es echt nicht einfach ist. Aber je eher man sich den schweren Aufgaben stellt, desto eher hat man sie auch hinter sich.

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5. Ich bin nicht meine Essstörung. Auch wenn man an einer Essstörung erkrankt ist, heißt das noch lange nicht, dass man diese Krankheit auch ist. Was die Essstörung will unterscheidet sich klar von der gesunden Seite in einem selbst. Ich stelle mir es gerne so vor, dass die Krankheit ein ungebetener Gast in meinem Kopf ist, der sich aber gerne als ich ausgibt. Es ist halt ein bisschen zweigeteilt: da gibt es die gesunde und die kranke Seite. Mal ist die eine Seite stärker, mal ist sie schwächer. Das Gute ist aber, dass man die kranke Seite loswerden kann, wenn man sich aktiv für die gesunde entscheidet.
Wenn man also z.B. denkt "Ich habe heute zu viel gegessen", dann ist das die Essstörung, nicht man selbst! Mit der Zeit lernt man, diese beiden Seiten zu unterscheiden. Es ist echt nicht immer leicht, deswegen ist es auch immens wichtig, ehrlich mit sich selbst zu sein.
Ich will in Wahrheit gar nicht hungern, abnehmen oder mich isolieren. Das will alles die Krankheit, nicht ich selbst. Ich will leben, lachen und genießen. Und das geht nur ohne Essstörung.


Ich könnte wahrscheinlich noch hunderte weitere Erkenntnisse aufschreiben, aber diese sollen fürs erste genügen. Lasst mich wissen, was eure wichtigsten Erkenntnisse sind! Ich hoffe, dass der Post euch helfen und inspirieren kann.

Warum auswärts essen gehen für Essgestörte so schwer ist

Eines der größten Herausforderungen in meiner Genesung ist es, auswärts essen zu gehen oder sich von anderen bekochen zu lassen. In einem Restaurant zu essen ist für die Mehrheit der Menschen gar kein Problem, ganz im Gegenteil: viele lieben es, verschiedene Restaurants zu besuchen und sich durch verschiedene Küchen durchzuprobieren. Deswegen ist es für die meisten Menschen auch unverständlich, warum eine essgestörte Person dermaßen Schwierigkeiten mit so einer "schönen" Sache verbinden. In diesem Post möchte ich einen Einblick darin geben, wie sich Essgestörte in solchen Situationen fühlen, welche Gedanken und auch Verhaltensweisen mit Restaurantbesuchen verbunden sind. Und hoffentlich hilft es Außenstehenden zu verstehen, warum das für Betroffene so eine schwierige Angelegenheit ist.


Magersucht ist eine Art der Kontrolle, die man sonst vielleicht im Leben an keiner anderen Stelle ausüben kann. Die Kontrolle über den Körper, aber auch die Kontrolle über die Nahrungsaufnahme. In dem Moment, in dem man jemand anderes, jemand fremden, seine Nahrung zubereiten lässt, gibt man Kontrolle ab. Man kann den Koch zwar sagen, wie er die Mahlzeit zubereiten soll (wieviel von jeder Zutat, in welcher Reihenfolge, die Zubereitungsmethode usw.), aber es wäre etwas utopisch, das genau nach den persönlichen Wünschen umzusetzen - dafür wird kein Koch der Welt Zeit und Nerven haben. Deswegen muss man sich im Restaurant darauf einlassen, bekocht zu werden und damit nicht zu wissen, was genau alles in seinem Essen steckt: wieviele Kalorien, wieviel Fett, welche Zutaten, ...

Genau diese Abgabe der Kontrolle kann bei einem Betroffenen unglaubliche Probleme hervorrufen. Es ist ein Schritt aus der Komfortzone, den man nur ungern gehen möchte - doch er ist nötig, um sich von der Krankheit zu lösen.

So ein Besuch im Restaurant kann einiges an Planung mit sich ziehen. Man schaut sich Tage vorher schon die Speisekarte des Restaurants an und entscheidet sich bereits für ein Gericht, damit man sich "sicher" fühlt und weiß, was auf einen zukommt. Man rechnet sich schon vorher aus, wieviel Kalorien das Gericht haben wird, um zu wissen, wieviel man davor bzw. danach an dem Tag noch essen kann. Oder man hungert den ganzen Tag als "Vorsichtsmaßnahme", falls man im Restaurant "zu viel" essen sollte.

Hat man sein Essen dann bestellt, steigt die Anspannung - so zumindest bei mir. Es gibt kein zurück mehr, man muss was von dem bestellten essen. Das verzehren des Gerichts selbst ist mit viel Konzentration, vielen verschieden Gedanken und (Schuld-)Gefühlen verbunden. Man sieht die Portion vor sich und überlegt, was alles drin steckt, wieviel es wiegt, wieviel man davon essen wird, wie es schmeckt, ob der Koch viel Öl verwendet hat usw. Es herrscht eine seltsame Ruhe am Tisch und man selbst bekommt vielleicht gar kein Wort heraus, da man sich so sehr auf das essen fokussiert.

Dazu habe ich beim essen noch das Gefühl, dass mich jeder beobachtet, wie ich Bissen für Bissen zu mir nehme. Dass mich die Leute genauso analysieren wie ich mein Essen. Und das setzt mich nur noch mehr unter Druck; ich möchte normal rüberkommen, keine Aufmerksamkeit auf mich ziehen und daher versuche ich auch, mich so normal wie möglich zu verhalten, doch die Anspannung wird dabei nur größer in mir. Beim Versuch, sich normal zu geben, macht man aber meist alles nur schlimmer. Man kann einfach nicht "normal spielen".

Je mehr ich esse, desto öfter sage ich mir "Gut, dass wird dein letzter Bissen sein. Danach legst du dein Besteck weg.". Ich wiederhole es immer und immer wieder in meinem Kopf, aber gleichzeitig denkt der rationale Teil in mir "Nein, das war noch nicht genug. Du hast doch noch nicht mal die Hälfte deiner Portion gegessen! Nimm noch etwas mehr.". Irgendwie ist es wirklich zu vergleichen mit Engelchen und Teufelchen, die man auf seinen beiden Schultern sitzen hat. Egal was man macht, einer von den beiden wird meckern; ob ich nun relativ früh mit dem essen aufhöre oder vielleicht sogar alles aufesse. Man kann es weder dem einen, noch dem anderen recht machen.

Trotzdem bin ich dann immer froh, wenn ich das essen hinter mir habe. Es ist geschehen, ich kann es nicht mehr rückgängig machen; also lohnt es sich nicht, sich noch weiter Gedanken darüber zu machen. Ein riesiger Stein fällt mir vom Herzen. Zwar mache ich mir immer noch Gedanken darüber, wieviele Kalorien ich bei dieser Mahlzeit zu mir genommen habe, aber ich bin endlich diese Anspannung los und habe das Gefühl, nicht mehr unter Beobachtung zu stehen. Das einzige, was mir jetzt vielleicht noch Sorgen bereitet, sind die Blähungen im Bauch, da mein Körper noch nicht an fremdes Essen gewöhnt ist.

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Restaurantbesuche sind eine echt schwierige Angelegenheit für mich und bestimmt auch für viele andere Betroffene. Deswegen können wir stolz sein und uns alle auf die Schulter klopfen, wenn wir uns dem gestellt und der Essstörung einen Tritt in den Popo gegeben haben. Mit jedem Mal, das man auswärts isst, erlangt man ein Stück Gesundheit und Normalität zurück in sein Leben. Es lohnt sich, auch wenn es verdammt schwer ist.

Therapie bei Essstörungen - was, warum und wie?

Leidet man unter einer Essstörung, sollte man es in Betracht ziehen, eine Psychotherapie zu beginnen. Der kann dabei helfen, gegen die Krankheit vorzugehen, für bestimmte Probleme des Patienten Lösungen zusammen zu erarbeiten und noch vieles mehr. Da ich selbst einmal vor der Frage stand, ob ich eine Therapie überhaupt in Anspruch nehmen möchte geschweige denn, wie so eine Therapie abläuft, versuche ich solche Fragen in diesem Post zu beantworten und meine Erfahrungen zu teilen.
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Ob man einen Therapeuten als Unterstützung zurate ziehen möchte, ist jedem selbst überlassen. Es gibt Leute, die brauchen die Hilfe eines Therapeuten nicht oder finden die Therapie sogar eher kontraproduktiv statt hilfreich. Aber es gibt auch Menschen, die auf die Hilfe eines Therapeuten angesprochen und dafür auch sehr dankbar sind. Wenn man noch nie zuvor bei einem war und nun überlegt, zu einem Therapeuten zu gehen, würde ich raten, einen "Schnuppertermin" mit einem auszumachen und sich selbst erstmal ein Bild davon zu machen. Denn wenn es um die Gesundheit geht, sollte meiner Meinung nach jede mögliche Hilfe in Betracht gezogen werden. Entscheidet man sich nach den Probestunden gegen eine Therapie, hat man diese Art der Unterstützung zumindest in Betracht gezogen und sich selbst klar davon überzeugt, dass es nichts für einen ist.

Die Suche nach einem passenden Therapeuten kann sich sehr schwer gestalten und erfordert auch viel Geduld. Deswegen sollte man nach zwei, drei ersten Ablehnungen nicht gleich das Handtuch werfen, sondern weiter Ausschau nach möglichen Therapeuten halten. Nachdem ich mich Anfang 2016 von meiner damaligen Therapeutin getrennt habe, hat es anderthalb Jahre gedauert, bis ich meine jetzige gefunden habe - und ich kann sagen, dass sich das lange suchen und warten echt gelohnt hat.

Hat man einen Termin bekommen, fragt man sich, wie so eine Sitzung denn abläuft. Ich habe mir damals so, so viele Gedanken darüber gemacht, als ich das erste Mal einen Termin bekommen habe. Liegt man, wie es in Filmen immer dargestellt wird, auf einem Sofa, interpretiert Tintenflecke und schüttet sein Herz aus? Nicht ganz. Man sollte erstmal wissen, dass man nicht gleich am Anfang alle Karten auf den Tisch legt, alle Traumas und negativen Glaubenssätze ans Licht gebracht werden. In den ersten paar Stunden wird es hauptsächlich ums kennenlernen und um organisatorische Dinge gehen. Erst, wenn man sich schon eine Weile kennt, geht man etwas tiefer in die Materie. Es werden über verschiedenste Sachen gesprochen, die einen beschäftigen. Das können alltägliche Dinge sein, aber auch sehr tiefgründige Themen, wie diverse Problemverhalten oder negative Gedankenmuster. Zum einen tut es gut, all diese Dinge mal rauszulassen und jemanden zu haben, der einem zuhört, und zum anderen kann man mit dem Therapeuten diese Dinge besprechen und gegebenenfalls Lösungen für Probleme suchen/erarbeiten.

Wenn man sich im Moment zum Beispiel wegen der Gewichtszunahme sehr schlecht fühlt, hilft einem der Therapeut dabei, die negativen Glaubenssätze und Gedankenmuster in positive zu verwandeln. Hat man sich vielleicht mit seiner Mutter gestritten, bekommt man Ratschläge an die Hand, wie man mit der Situation umgehen kann, ohne Problemverhalten anzuwenden, wie zum Beispiel das Gespräch zur Mutter zu suchen, sich zu entschuldigen oder ähnliches. Aber auch wenn einem mal nichts auf dem Herzen liegen sollte, finden sich Gesprächsthemen. Beispielsweise kann man sich mit dem Therapeuten überlegen, wie man seinem Leben mehr Sinn geben kann (durch Arbeit, Hobbys etc.). Auf jeden Fall findet sich immer ein Thema meiner Erfahrung nach.

Manchmal kommt es auch vor, dass man "Hausaufgaben" aufbekommt. Die können auch ganz verschieden aussehen: ab und an musste ich kleine Geschichten schreiben zu bestimmten Themen, andere Male sollte ich nach einer Freizeitgestaltung (Job, Hobby, treffen mit Freunden) Ausschau halten oder diverse Listen schreiben. Das finde ich gar nicht so schlecht, da man sich so schon auf die gemeinsame Sitzung vorbereiten kann - öfter habe ich nämlich das Problem, dass ich nicht die richtigen Worte finde oder mir schlicht nicht einfällt, was ich zu einer bestimmten Sache sagen soll. Aber wenn man fleißig seine Hausaufgaben macht, kann man gut vorbereitet auftreten ;)

Und was auch sehr wichtig ist zu wissen: man muss sich für die Probleme, die man in der Therapie bespricht, NICHT schämen. Der Therapeut ist genau für diese Art Sorgen da, die man sonst ungern anspricht. Er wird darauf vorbereitet sein, nicht alltägliche und teils auch sehr ungewöhnliche Themen und Probleme behandeln zu müssen. Was in den Therapiesitzungen besprochen wird, wird nicht an Dritte oder an die Öffentlichkeit weitergegeben, da der Therapeut der Schweigepflicht unterliegt. Man darf wirklich alles erzählen und ansprechen. Man darf auch seine Gefühle zeigen; wenn es sein muss, darf man auch weinen. Man darf sich verletzlich zeigen. Es gibt keinen Grund, sich dafür zu schämen.

Zum Schluss ist es noch enorm wichtig im Kopf zu behalten, dass der Therapeut nicht FÜR, sondern MIT dem Patienten zusammen arbeitet! Eine Psychotherapie kann nur Früchte tragen, wenn der Patient selbst bereit ist, etwas zu verändern und Hand anzulegen. Geht man zur Therapie, muss man bereit dazu sein, die Hilfe des Therapeuten anzunehmen und seine Ratschläge auch umzusetzen. Der Therapeut selbst kann uns nicht heilen - es liegt allein an uns selbst, Heilung in die Wege zu leiten. Ehrlichkeit ist dabei das A und O. Denn wenn man nicht ehrlichen ist, kann einem auch keine angemessene Hilfe angeboten werden.

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Ich hoffe, dass euch dieser kleine Einblick darin, wie so eine Therapie abläuft, helfen konnte. Wenn noch Fragen offen sind, könnt ihr sie gerne in den Kommentaren stellen! In einem anderen Post hier habe ich schon mal über meine eher gemischten Erfahrungen mit Therapeuten geschrieben - schaut da gerne auch einmal vorbei, wenn euch das Thema interessiert.

Tipps zum zunehmen

In einem anderen Post habe ich bereits ein paar Tipps mit euch geteilt, wie man mit der Gewichtszunahme und den dabei auftretenden Schuldgefühlen umgeht. In diesem Beitrag möchte ich einige Tipps mit euch teilen, WIE man zunimmt, was meine Tipps dazu sind. Denn anders als die meisten Menschen denken, ist zunehmen nicht immer einfach, vor allem nicht für jemanden mit Magersucht.

Um zuzunehmen ist es als allererstes natürlich wichtig, mehr zu essen als man verbraucht. Wieviel man braucht, variiert von Person zu Person. Damit die Gewichtszunahme auch gut voran geht, sollte man Sport oder andere Arten von Aktivitäten so gut es geht einschränken, um eben nicht zu viel Energie zu verbrauchen. Man sollte auch nicht unterschätzen, wieviel Energie in Form von Essen in Recovery erforderlich ist zum zunehmen! Es kann durchaus passieren, dass man das doppelte von einer gesunden Person essen muss, um Fortschritte zu sehen.

Nun geht es um die Frage, wie man so viel Essen zu sich nehmen soll. Generell eignen sich natürlich Lebensmittel mit einer hohen Kaloriendichte oder auch "flüssige Kalorien". Diese füllen den Magen nicht so sehr, sodass man bei geringen Mengen an Essen trotzdem reichlich Kalorien zu sich nimmt. Hier mal ein paar Lebensmittel, die auf kleinem Volumen viel Energie bringen:
  • Avocado
  • Nüsse
  • Trockenfrüchte
  • Milch(-getränke)
  • Säfte und Smoothies
  • Eiscreme
  • verschiedene Aufstriche (Erdnussmus, Butter, Nutella etc.)
  • Brot, Toast, Brötchen
  • Süßigkeiten und Schokolade
  • Reis, Pasta, Couscous, Haferflocken etc.
  • Granola
  • Öl
Nüsse kann man so essen, unters Müsli mischen oder beim backen mit verwenden
Datteln, Kokos-Chips und getrocknete Mango sind meine absoluten Favoriten!
Es ist weniger hilfreich, auf low fat oder low carb Produkte zurückzugreifen - diese Produkte sind eher für Menschen geeignet, die auf Diät sind und abnehmen wollen. Auch ist es nicht sehr empfehlenswert, viele Ballaststoffe zu sich zu nehmen, denn diese sättigen sehr. Ballaststoffe sind zwar gesund und definitiv essentiell für den Menschen, aber man sollte es nicht mit ihnen übertreiben indem man den ganzen Tag nur ballaststoffreiches Obst und Gemüse isst. Natürlich kann man diese Lebensmittel trotzdem noch essen (man sollte sich in Recovery am besten gar nicht einschränken von der Lebensmittelauswahl her), aber da diese den Magen sehr füllen und nur wenig Kalorien liefern, wäre es schlauer, kalorienreichere Nahrungsmittel zu bevorzugen.

Was auch hilfreich ist, ist viele Snacks einzubauen, oder allgemein eher mehrere kleine Mahlzeiten statt ein paar wenige große zu essen. So verhindert man unangenehme Völlegefühle nach dem Essen, die vielleicht auch negative Gedanken hervorrufen, bekommt aber trotzdem genug Energie, da man in regelmäßigen Abständen was isst. Das kann sich aber auch von Person zu Person unterscheiden - der eine findet es leichter, ein paar große Mahlzeiten zu essen, der andere bevorzugt mehrere kleine Mahlzeiten, um auf seine Menge zu kommen.

Was ich gerne mal mache, um mein Essen oder meine Getränke anzureichern, ist Proteinpulver oder Kokosmehl unterzumischen. Passt perfekt zu Smoothies oder Haferbrei! Zwar ist gerade Proteinpulver etwas umstritten, aber solange man dies nur zusätzlich nimmt und nicht ein Hauptnahrungsmittel darstellt, sehe ich nichts verkehrtes daran. Und ein kleiner Tipp dazu: pflanzliche Proteinpulver werden von den meisten besser vertragen ;)

Eventuell kann man auch hochkalorische Zusatznahrung einbauen (so etwas wie Fresubin, Fortimel oder Ensure), die pro Getränk bis zu 400 kcal liefern können. Da aber nicht jeder Zugriff zu diesen hat, kann man sich auch selber hochkalorische Shakes oder Smoothies zubereiten! Ich finde Shakes so hilfreich, da man wirklich alles mögliche reinhauen kann, sie schnell zubereitet und getrunken sind, man die Geschmäcker variieren kann und sie halt viel Energie liefern. Folgende Zutaten eignen sich gut für solche Shakes:
  • Milch oder Pflanzendrinks
  • Kokosmilch aus der Dose
  • Joghurt oder Pudding
  • Eis
  • Avocado (besser nicht zu viel für den Anfang, da man es durchaus rausschmecken kann)
  • Banane
  • Proteinpulver oder Kokosmehl
  • Kokosraspel
  • Chia- und Leinsamen
  • Nüsse und Nussmus (Mandel- und Cashewmus schmecken relativ neutral und passen daher zu fast allem; machen den Shake wunderbar cremig)
  • Nutella oder andere süße Aufstriche
  • Datteln oder andere Trockenfrüchte
  • Sirup (Ahornsirup, Agavendicksaft und ähnliches)
  • Haferflocken (schmeckt man nicht heraus und machen alles schön cremig) oder Müsli
  • Kakaonibs oder Kakaopulver
  • ein bisschen Öl (klingt komisch, aber wenn man nicht gerade Massen dranhaut, schmeckt man es auch kaum; gerade Kokosöl verleiht einen schönen Geschmack)
Haferflocken und Chiasamen machen Smoothies und Shakes dickflüssig und geben viel Energie
Verschiedene Nussmuse müssen bei mir immer zu Hause sein - sie sind so vielseitig und schmecken unglaublich lecker

Hier noch ein paar mehr Ideen, was man machen kann, um mehr Kalorien in die Ernährung einzubauen:
  • Energiebälle und verschiedene Riegel (es gibt direkt hochkalorische Riegel, aber so etwas wie Clif Bars oder Schokoriegel eignen sich bereits sehr gut; kann man kaufen oder selber machen)
  • Granola statt Müsli verwenden
  • "richtiges" Brot statt Reiswaffeln oder Knäckebrot
  • Soßen zum Essen servieren (man kann sich leckere Soßen/Dressings aus Nussmus machen, sowohl in einer süßen als auch in einer herzhaften Variante)
  • Nussmus über jedes Essen (schmeckt super, ungelogen! Zum Beispiel Süßkartoffeln mit Tahini oder Banane mit Erdnussmus)
  • Pesto (passt zu Nudeln aber auch zu Reis oder auf Brot)
  • immer Snacks mit dabei haben für den Notfall (Studentenfutter, Riegel, kleine Milchpackungen)
  • Essen in Öl oder Butter anbraten
  • Haferbrei mit Milch statt mit Wasser (außerdem kann man, ähnlich wie bei den Shakes, so gut wie alles dran- und draufhauen: Nussmus, Kakaonibs, Schokolade, Kakaopulver, Chiasamen, Banane, Sirup etc.)
  • Heiße Schokolade oder sogar Kaffee mit Milch, Zucker/Sirup und Sahne
  • Nüsse und Samen als Topping für sowohl süße als auch herzhafte Speisen
Clif Bars gehören mit Abstand zu meinen Lieblingssnacks!
So, das war erstmal alles zu dem Thema. Wer noch weitere Tipps hat, kann die gerne in den Kommentaren mit uns teilen. Ich hoffe, dass die Tipps euch helfen!

Wie geht man mit der Gewichtszunahme um?

Um von einer Essstörung zu heilen, ist es oft unausweichlich, dass man auch an Gewicht zunehmen muss, um gesund zu werden. Das kann sowohl für Leute zutreffen, die untergewichtig sind, aber auch für welche, die im Normalgewicht sind. Der Prozess des zunehmens ist kein einfacher. Er erfordert viel Kraft und Mut. In diesem Post habe ich meine Tipps zusammengestellt, wie ich mit der Gewichtszunahme klarkomme.


  • Einsehen, dass man ein Problem hat und zunehmen muss. Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Wenn man sich nämlich nicht selbst eingesteht, dass man krank ist und das Problem nicht erkennt, kann man auch nicht an diesem arbeiten. Fühlst du dich schlapp, kannst nicht klar denken und hast kaum Energie zum leben? Dann ist das ein klares Zeichen dafür, dass etwas mit dir nicht stimmt. Sieh diesen Zustand nicht als "normal" an sondern akzeptiere, dass sich etwas an deiner Situation ändern muss. Wenn du dich vielleicht als "zu dick" empfindest und nicht meinst, dass du zunehmen müsstest, dann vertraue auf Logik und die Meinung anderer, vor allem der deines Arztes oder deines Therapeutens. Eigentlich bin ich nicht sehr überzeugt von dem Konzept des BMIs, aber kann zumindest als Orientierung dienen um zu sehen, wie weit entfernt man vom "Normalgewicht" ist. Wenn dieser weit unter "normal" ist, kann man sich sicher sein, dass man ein ungesundes Gewicht hat und eine Zunahme mehr als nötig ist. Hat man erstmal das Problem erkannt, kann man viel besser daran arbeiten und man wehrt sich nicht mehr so sehr dagegen. Angenommen man akzeptiert die Gewichtszunahme nicht, dann wird man unterbewusst auch alles dafür tun, dass es nicht zu einer Zunahme kommt und man wird sich auch viel schlechter fühlen über jedes Gramm mehr. Akzeptiert man sie hingegen, kommt man besser voran, freut sich vielleicht sogar etwas über die Zunahme und hat auch mehr Spaß an dem Prozess. Klar, Recovery ist alles andere als einfach, aber trotzdem gibt es Möglichkeiten, diesen Weg etwas spaßiger zu gestalten.
  • Motivation. Was gewinnst du, wenn du zunimmst? Inwiefern wird sich dein Leben zum positiven ändern, wenn du zunimmst? Was ist der Grund, warum du einen gesunden Körper haben möchtest? Fokussiere dich nicht auf das, was du durch das zunehmen eventuell "verlierst" - in Wahrheit gewinnt man nämlich nur dazu, wenn man gegen die Essstörung ankämpft und seine Gesundheit wiedererlangt. Schreibe deine Motivation auf, deine Gründe, warum du zunehmen willst. Meine Motivation ist es zum Beispiel, dass ich durch die Gewichtszunahme wieder mehr Energie habe um die Sachen zu machen, die mir Freude bereiten. Ich möchte mich besser konzentrieren können. Und ich möchte, dass Klamotten wieder schön an mir aussehen und nicht nur wie ein Sack an mir runterhängen. Halte dir vor Augen, was dir die Essstörung und dein schlechter körperlicher Zustand alles wegnimmt und baue eine richtige Wut gegen die Krankheit auf. Und dann nutzt du diese Wut, um für deine Gesundheit zu kämpfen.
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  • Setze dich mit Body Positivity und Selbstliebe auseinander. Heutzutage sieht man ja leider meist nur diesen einen Körpertyp in den Medien: groß, dünn, durchtrainiert und ohne ein Gramm Fett am Körper. Aber das ist weder normal noch gesund. Die Body Positivity Bewegung hat mir sehr geholfen, um einen Blick für normale, gesunde Körper zu bekommen. Statt irgendwelchen Fitnessmodels auf Instagram zu folgen, folge lieber nur Accounts, die sich mit Body Positivity auseinandersetzen und die dich inspirieren. Und lerne, deinen Körper zu akzeptieren und zu lieben! Aus meiner Erfahrung kann ich berichten, dass dieser Schritt ein ganz wichtiger ist. Selbsthass hat mich mehr oder weniger in diese Krankheit reingeritten, also müsste es nur logisch sein, dass Selbstliebe mir da wieder raushilft. Ganz lange wollte ich es mir nicht eingestehen und habe versucht, zu recovern, ohne mich selbst zu akzeptieren. Aber es funktioniert so einfach nicht. Realisiere, was für ein wunderbares Instrument dein Körper eigentlich ist, was er dir alles ermöglicht und versuche, ihn Schritt für Schritt mehr zu akzeptieren und am Ende sogar zu lieben. Anfangs muss man vielleicht noch nach dem Motto "Fake it till you make it" vorgehen, aber irgendwann wird es einem leichter fallen und natürlicher vorkommen. Arbeite mit deinem Körper zusammen, statt gegen ihm. Behandle ihn wie einen Freund, nicht wie einen Feind.
  • Achte auf deine Ernährung. Damit meine ich nicht, dass du dich super gesund ernähren solltest, sondern dass du darauf achtest, hauptsächlich nur Dinge zu essen, die leicht verdaulich sind und dich daher nicht aufblähen, was die Zunahme nur erschweren würde. Ernähre dich nicht nur von kalorienarmen "Safe Foods" wie Obst und Gemüse, sondern auch von kalorienreichen Dingen wie Nüssen oder Milchshakes. Sie liegen nicht so schwer im Magen, versorgen aber trotzdem mit viel Energie, sodass man ohne viel Blähungen zu bekommen weiterhin genug Energie zum zunehmen kriegt. Blähungen oder ein sehr voller Magen können nämlich Unwohlsein auslösen, die zu schlechten Gefühlen führen (z.B. "Ich fühle mich so dick" oder "Ich fühle mich so vollgefressen"). In einem anderen Post werde ich noch Tipps sammeln, welche Lebensmittel sich zum zunehmen eignen.
  • Trage bequeme Kleidung, in der du dich wohl fühlst. Enge Kleidung zu tragen ist meiner Erfahrung nach komplett kontraproduktiv, wenn man zunehmen will. Man fühlt sich eingeengt und fühlt sich dadurch nur unwohler in seinem Körper, auch weil man vielleicht merkt, wie man langsam zunimmt - da drückt der aufgeblähte Bauch gegen das enge Top oder die Skinny Jeans kneift in den Po. Das ist NORMAL und ich selbst musste da auch durch. Es ist hart zu merken, wie die Sachen enger werden. Aber es ist ein Zeichen dafür, dass man auf dem Weg zur Gesundheit ist! Am besten trennt man sich von all den Klamotten, die einen an die Krankheit erinnern und die einen während seines niedrigsten Gewichts passten. Ansonsten will man nur an der Essstörung festhalten. Weite Sachen eignen sich perfekt in so einer Situation: große Pullover, Jogginghosen, Boyfriend Jeans, verschiedene Kleider oder auch Jumpsuits im Sommer finde ich sehr bequem, aber ich trage auch gerne Leggings, solange die aus weichem Material sind und nicht sehr eng anliegen.
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  • Fokus weg vom Körper. Das ist leichter gesagt als getan, aber versuche wirklich, so gut es geht, dich auf andere Dinge statt deinen Körper oder das Essen zu fokussieren. Dazu gehört auch, nicht ständig in den Spiegel zu gucken ("Body Checking") - es macht dich nur verrückt und wird dir in keiner Weise weiterhelfen. Man nimmt nicht in einer Stunde zu. Man wird auch nach drei Tagen keine sichtbare Gewichtszunahme sehen können. Daher ist es am besten, seinen Körper nicht ständig in irgendeiner Weise zu messen oder zu begutachten. Nur die Essstörung will, das du das tust und rät dir ein, du wärst viel zu dick geworden (Achtung: sie lügt!). Und bedenke, dass man sich aufgrund der Körperschemastörung, die bei einer Essstörung in den meisten Fällen mit auftritt, seinen Körper eh nicht richtig wahrnehmen kann. Vertraue also nicht unbedingt dem Blick in den Spiegel. Beschäftige dich mit anderen Dingen, suche dir Hobbies oder verbringe Zeit mit Menschen, bei denen du dich wohl fühlst. Das wird dir weitaus mehr bringen als sich nur auf seinen Körper zu fokussieren.
  • Behalte im Kopf, dass am Ende alles gut werden wird. Es mag dir jetzt total schlecht gehen. Du findest dich vielleicht unglaublich dick und würdest am liebsten alles aufgeben. Aber ich kann dir versichern, dass diese Gefühle nicht für immer bleiben. Man gewöhnt sich an seinen gesunden, fülligeren Körper. Man wird sich in ihm besser denn je fühlen. Aber das wird man erst erkennen, wenn man es bis zu diesem Punkt auch durchhält. Ich habe mal einen Spruch gehört, den ich mir immer sage, wenn ich mich wegen meines Gewichts schlecht fühle: "Wenn ich erst einmal gesund bin, werde ich mich nicht mehr dick fühlen" - was so wahr ist. Glaub nicht alles, was du denkst. Harte Arbeit wird belohnt.
Das waren meine persönlichen Tipps, wie ich mit der Gewichtszunahme klarkomme. Nicht jeder Tag ist einfach, aber es geht voran. Es ist nichts schlimmes, zuzunehmen, genauso wenig ist es etwas gutes, abzunehmen. Unsere Gesellschaft labelt diese Dinge als "gut" und "schlecht", dabei kann man gar nicht pauschal sagen, ob eines der beiden eben gut oder schlecht ist. Das kommt immer auf die individuelle Situation und Person an. Wer seine Tipps, wie er oder sie mit der Gewichtszunahme klar kommt, teilen möchte, kann das gerne in den Kommentaren tun!
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Essen ist Medizin

Ich weiß noch, wie ich mir am Anfang meiner Genesung so viele Gedanken darum gemacht habe, wieviel man essen sollte, um gesund zu werden. Tä...