Tipps für Yoga-Anfänger

Im Sommer 2016 rollte ich zum ersten Mal meine Yoga-Matte bei mir zu Hause aus. Ohne viel drüber nachzudenken, klickte ich auf das erstbeste "Yoga für Anfänger"-Video auf YouTube und begann meine erste richtige Praxis überhaupt, ohne zu wissen, wohin sie mich eines Tages mal hinführen würde.

Wie bei fast allen Dingen im Leben, traf auch hier der Spruch "Aller Anfang ist schwer" zu. Ich begab mich auf unbekanntem Terrain und wusste nicht, auf was ich mich da einließ. Vor allem war es schwer, den ganzen neuen Begriffen zu folgen: Kindsposition, Krieger 1, Schulterbrücke, Flow und so weiter. Wer blickt da denn als Neuling schon durch?

Falls du selbst gerade noch am Anfang stehst bzw. du noch gar nicht weißt, wo du überhaupt beim Yoga anfangen sollst, habe ich die hier ein paar Tipps zusammengestellt, die dir helfen können, einen reibungslosen Start für deinen Yoga-Weg hinzulegen.

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1. Fang langsam an

Einen der größten "Fehler", die man anfangs machen kann, ist sich gleich an die richtig fordernden, auspowernden Flows zu wagen. Das wird dir nur den Spaß nehmen, sodass du schnell aufgibst und gar nicht erst in den Genuss der wohltuenden Aspekte des Yoga kommst, die sich mit fortschreitender Praxis offenbaren werden.
Ich rate dir, dass du dir zu Beginn nur Anfänger-Videos oder Anfänger-Kurse vornimmst. Diese bieten dir einen sanften Start in das Thema, ohne dich noch mehr als nötig zu überfordern.
Du lernst Schritt für Schritt die Basics, die richtige Ausrichtung in den einzelnen Posen (was sehr wichtig ist, um Verletzungen vorzubeugen!) und wie man richtig atmet. Vielleicht klingen diese Punkte eher belanglos für dich, doch glaube mir: sie spielen eine sehr wichtige Rolle im Yoga.
In fortgeschritteneren Kursen wird nämlich davon ausgegangen, dass der Teilnehmer die Basics beherrscht, sodass dieser sich mehr auf sich selbst statt auf die Stimme des Lehrers und die richtige Ausrichtung fokussieren kann. Stell dir nun vor, du kommst als kompletter Anfänger in so einen fortgeschrittenen Kurs - du musst die ganze Zeit gucken, was die anderen machen, spürst den Effekt der einzelnen asanas (Sanskrit für die Posen im Yoga) nicht oder führst sie gar falsch aus. Du bekommst einen schlechten ersten Eindruck, der dir total die Neugierde und Lust am Yoga nimmt.
Gehe also Schritt für Schritt vor und lerne erst die Basics, bevor du dich an forderndere Flows rantraust.

2. Vergiss die Form und fokussiere dich auf das Fühlen

Wenn man auf Social Media die vielen Yoga-Accounts anschaut, bekommt man schnell den Eindruck, dass es bei dieser Praxis nur darum geht, sich in komplizierte Posen reinzuzwängen. Man sieht Yogis, die sich im Unterarmstand präsentieren, ihren Fuß hinter den Kopf klemmen oder sich auf andere Weise total verknoten. Darum geht es definitiv nicht im Yoga. Es kommt nicht darauf an, wie stark oder flexibel du bist - im Yoga kommt es ganz darauf an, wie du dich fühlst. Und das auch nicht nur während du auf der Matte bist, sondern auch wenn du wieder in deinen gewohnten Alltag zurückkehrst. Was machen die einzelnen Asanas mit dir? Welche Gedanken oder Gefühle kommen beim üben auf? Wo bemerkst du Blockaden?
Yoga hat weniger mit dem körperlichen Aspekt zu tun, als man denkt. Ich spreche auch gerne von "Meditation in Bewegung". Es soll dir helfen, mehr körperliche und geistige Gesundheit zu erlangen. Und dafür braucht es keine ultrakomplizierten Positionen.

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3. Bring Abwechslung in deine Praxis

Jedes Mal dasselbe in deinen Yoga-Sessions zu machen, ist nicht nur langweilig, sondern wird dir auch nicht helfen können, weiter voranzukommen in deiner Praxis. Abwechslung ist hier das Stichwort. Probiere neue Yoga-Stile aus (Yin, Hatha, Vinyasa, Shivananda, Kundalini,...), besuche andere Yoga-Studios/gehe zu anderen Lehrern, probiere Videos von verschiedenen YouTube-Kanälen aus, wage dich vielleicht sogar schon ans nächste Level.
Dieser Punkt hat mich sehr viel weiter in meiner eigenen Praxis gemacht. Ich wagte mich aus meiner Komfortzone und besuchte einen Kurs, wo ich die beruhigende, positive Energie eines Yoga-Studios zum ersten Mal genießen konnte. Yin Yoga war das Mittel, was mir zu mehr Flexibilität verholfen hat. Mittelstufen-Yoga zu praktizieren zeigte mir neue asanas, an denen ich mich ausprobieren konnte.
Hast du schon seit einer Weile Yoga praktiziert, dann traue dich ans nächste Level ran! Neue Herausforderungen machen Spaß und zeigen dir ganz neue Aspekte des Yoga und von dir selbst.

4. Etabliere eine Routine

Damit du auch dran bleibst, ist es hilfreich, sich eine Routine fürs üben aufzubauen. Dabei gilt: jeden Tag vielleicht 15 Minuten sind besser als anderthalb Stunden ein Mal in der Woche. So baust du allmählich deine Fähigkeiten und dein Wissen auf und kommst natürlich möglichst oft in den Genuss der Vorteile, die Yoga bietet.
Hierbei sollte aber auch der nächste und letzte Tipp in Betracht gezogen werden...

5. Zwinge dich nicht

Yoga soll dir helfen, dass du dich besser fühlst - körperlich und geistig. Wenn du dich auf die Matte zwingst, bleibt dieser Effekt höchstwahrscheinlich aus. Rechne damit, dass du nicht jeden Tag üben möchtest und vor allem auch, dass du nicht jeden Tag dieselbe Kraft, Ausdauer, Konzentration und Flexibilität an den Tag legen wirst. Das ist vollkommen normal und menschlich. Du wirst staunen, aber selbst erfahrene Yogalehrer haben Tage, an denen sie keinen Bock auf Yoga haben.
Wenn es zur Routine wird, dass du dich auf die Matte zwingst (oder auch in bestimmte asanas), dann geht der Spaß am Yoga verloren. Deswegen: höre auf dich selbst und mach dann Yoga, wann du es brauchst, wann du es willst. Wenn du weißt, dass du dich nach einer kleinen Praxis besser fühlen wirst, dann: go for it! Wenn sich aber alles in dir danach sträubt, durch eine Sequenz zu fließen, dann lass es für heute lieber sein und tu dir stattdessen auf andere Weise etwas Gutes.
Manchmal tun Pausen vom Yoga auch ganz gut, um wieder mehr Gefallen daran zu finden, um "die Leidenschaft wieder neu aufflammen zu lassen". Ich spreche da aus Erfahrung und kann nur bestätigen, dass Auszeiten dabei helfen, neue Motivation und Inspiration zu sammeln - und das gilt für weitaus mehr Dinge und Beschäftigungen als nur für den Yoga.

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Lass mich gerne wissen, wie dir diese Tipps gefallen, ob sie dir weiterhelfen konnten oder ob du sogar ein paar Tipps für Yoga-Anfänger parat hast!

Was ist Selbstliebe?

Selbstliebe hier, Selbstliebe da - der Begriff "Selbstliebe" wird überall herumgeworfen wie Konfetti. Liebe und akzeptiere dich selbst, so wie du bist, heißt es immer. Zeige dir selbst Respekt. Lehn dich zurück und nimm dir eine Auszeit vom Alltagsstress. All diese gut gemeinten Ratschläge und Aufforderungen, doch keiner weiß in Wahrheit so wirklich, was es mit der Selbstliebe auf sich hat - so zumindest mein Gefühl. Was meint man nun damit? Und warum sollte man sich selbst lieben? Ist es nicht egoistisch, sich selbst anderen vorzuziehen?

Selbstliebe verstehen


Nimmt man den Begriff Selbstliebe auseinander, so hat man die Worte "Selbst" und "Liebe" vor sich stehen. Ersteres erklärt sich von allein: es hat mit einem "selbst" zu tun, ist auf eine Person ausgerichtet, auf sich selbst bezogen. "Liebe" hingegen lässt sich nicht so einfach erklären. Wikipedia sagt dazu:
"Liebe ist eine Bezeichnung für stärkste Zuneigung und Wertschätzung. Nach engerem Verständnis ist Liebe ein starkes Gefühl, mit der Haltung inniger und tiefer Verbundenheit zu einer Person (oder Personengruppe), die den Zweck oder den Nutzen einer zwischenmenschlichen Beziehung übersteigt und sich in der Regel durch eine entgegenkommende tätige Zuwendung zum anderen ausdrückt."
So gesehen versteht sich "Selbstliebe" als ein starkes Gefühl der Wertschätzung zu einem selbst. Vielleicht sollte man hier aber noch eine Trennung zwischen Selbstliebe im Sinne der Selbstannahme und Selbstliebe im Sinne der Selbstsucht vornehmen - der Begriff is also Synonym für mehrere Phänomene.

Genau deswegen wird er meiner Ansicht nach auch so oft missverstanden: die Menschen verstehen unter Selbstliebe eine narzisstische, egoistischen Verhaltensweise, die das Wohlbefinden des Umfelds abtut, bei der sich alles nur um einen selbst dreht.

In dem Sinne, in dem ich den Begriff Selbstliebe verwende, ist gemeint, sich selbst zu achten und wertzuschätzen - und zwar genau so, wie man bereits ist. Es ist das bedingungslose annehmen des selbst. Ähnlich wie in einer romantischen Beziehung bedeutet es, den Partner - im Falle der Selbstliebe also man selbst - mit allen "Fehlern" und "Makeln" vollkommen anzunehmen, ihn wertzuschätzen, ihm seine Zuneigung zu zeigen, immer dessen höchstes Wohl im Sinne zu haben, sich liebevoll um ihn zu kümmern und immer für ihn da zu sein, "in guten wie in schlechten Zeiten". Das alles aber ohne "süchtig" nach dem Partner zu werden. Die Sucht nach irgendetwas oder irgendwem war für den Menschen (und dessen Beziehungen) noch nie dienlich gewesen.


Es sollte demnach ein gutes, gesundes Maß an Selbstliebe etabliert werden, ohne Extreme in die eine oder andere Richtung. Gerade aber in unserer heutigen Gesellschaft erlebt man bei den Menschen eher eine Neigung hin zu dem Extrem "keine Selbstliebe", also den Selbsthass - die Abscheu vor einem selbst, die nicht selten auch mit einer Selbstzerstörung einhergeht.

Auf der anderen Seite: Selbsthass


Mir tut sich oft die Frage auf, was in einem Menschen vorgehen muss, dass er in Selbsthass verfällt. Man könnte meinen, dass jemand, der selber mit Selbsthass zu tun hat - wie auch ich eben - diese Frage beantworten könnte. Doch eine klare Antwort habe ich nicht. Was ich aber beobachte ist, wie unsere Gesellschaft dazu tendiert, andere schlecht zu machen. Das zeigt sich in den viel zu hohen Ansprüchen, die dem Menschen gestellt werden, wie er zu sein haben muss. Die Medien, die einem verklickern, man sei nicht gut genug so wie man ist. Dieser kranke Wettbewerb bei allem und jeden, wo doch auch der Spaß an der Sache total verloren geht.

Im Versuch, einen "Übermenschen" zu erschaffen - ein perfektes, erfolgreiches, wunderschönes und zugleich intelligentes und sportliches Wesen - kreiert unsere Gesellschaft nur mehr total unglückliche und ausgelaugte Individuen. All diese Ansprüche, die an uns gestellt werden und die wir schließlich nicht erfüllen können, treiben uns in den Wahnsinn, in Stress und lassen uns letztendlich glauben, dass wir nicht gut genug seien, weil wir eben diesen Ansprüchen nicht gerecht werden können. Als Resultat entsteht Selbsthass.

Und um nochmal auf die Frage zurückzukommen, ob Selbstliebe denn nicht egoistisch ist: Ist Selbsthass denn nicht noch egoistischer? Man konzentriert all seine Energie auf das Selbst - das grässlich erscheinende, faule, nichtsnutzige Selbst. Man verwendet es dazu, sich selbst zu zerstören. Selbstliebe hingegen bewirkt, dass wir uns entspannter verhalten (da wir uns nicht im Kampf mit uns selbst befinden) und unsere Energie dafür nutzen können, diese Welt zu einem besseren Ort für alle zu machen. Der Fokus wendet sich eher von einem ab, da man mit sich selbst im reinen ist und mehr Kraft für die wichtigen Dinge im Leben hat.

Warum Selbstliebe so wichtig ist


Die Bedeutung und Wichtigkeit der Selbstliebe wird darüber hinaus zum einen auch noch klar, wenn man sich vor Augen führt, was der Selbsthass mit sich bringt: man lebt ungesund, sieht keinen Sinn im Leben, verliert jeglichen Spaß an den Dingen, die man tut, und befindet sich in einem ständigen Kampf mit einem selbst. Das klingt ziemlich depressiv, nicht wahr? Wie will man ein schönes Leben führen, wenn man sich gar nicht wohl fühlt in der eigenen Haut?

Selbstliebe hingegen bringt mehr Lebensfreude, Glück, Gesundheit, Kraft und positive Energie mit sich. Sie ist so wichtig, weil wir Menschen eben auch wichtig sind. Und das ist nicht in dem Sinne gemeint, dass der Mensch wie ein Gott über allem steht. Nein, aber jeder Mensch ist für seine eigene Realität, für dieses Leben auf Erden von Bedeutung. Jeder einzelne erfüllt einen Zweck auf Erden, mag er auch nur so klein und nichtig sein. Ein einzelner Mensch kann viel bewirken - dafür muss er nur an sein eigenes Potenzial glauben und sich selbst anerkennen.

Aber auch auf kleine Sicht gesehen ist Selbstliebe bedeutsam: wenn wir in der Lage sind, uns selbst anzuerkennen und wertzuschätzen, lassen wir uns weniger von anderen Menschen manipulieren, die meinen, über uns zu stehen. Auch uns selber manipulieren wir weniger, da wir uns unserer eigenen Stärke bewusst sind. Wir sind gelassener, freier, glücklicher. Wir können unsere Liebe mit den Menschen um uns herum teilen. Wir können auch mehr Liebe zulassen. Wir stehen für uns selbst ein. Wir leben gesünder, da wir unseren Körper wertzuschätzen wissen. Alles macht mehr Spaß, da wir uns keine Gedanken mehr darum machen, wie bescheuert wir jetzt vielleicht bei dieser einen Sache aussehen mögen.
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Ich könnte die Liste noch weiter fortsetzen, genauso wie diesen Post, aber fürs erste soll das erstmal genug sein. Zum Abschluss möchte ich nur noch sagen: Selbstliebe ist dein Geburtsrecht. Du musst es dir nicht erst durch harte Arbeit verdienen. Sie ist jederzeit da und wartet darauf, von die erlebt zu werden. Es ist deine Entscheidung: nutze ich die wunderbare Kraft der Selbstliebe, die mir jederzeit gegeben ist, oder beschließe ich, weiterhin im Kampf mit mir selbst zu sein?

In diesem Sinne: feiere dich selbst und schenk dir selbst Liebe.

Meine 200h Yogalehrer-Ausbildung

Als ich letztes Sommer eine Absage von meiner Wunsch-Uni bekommen habe, stand ich vor der Frage: Wie kann ich die Zeit bis zum nächsten Bewerbungsversuch sinnvoll nutzen? Mithilfe der Unterstützung meiner Familie habe ich mich dazu entschlossen, eine Ausbildung zur Yogalehrerin anzufangen. Und jetzt im Nachhinein betrachtet war das die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.
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Die Ausbildung, für die ich mich entschieden habe, bestand aus 200 Unterrichtsstunden, die über acht Ausbildungswochenenden verteilt waren. Die Termine fanden ca. ein Mal im Monat statt. Manchmal werden 4-wöchige Yogalehrer Ausbildungen angeboten, doch da war mir von Anfang an klar, dass das nichts für mich wäre. Somit hatte ich bei meiner Ausbildung zwischen den einzelnen Terminen immer Zeit, den Unterrichtsstoff nochmal zu wiederholen und richtig sacken zu lassen.

Begonnen hat die Ausbildung im Oktober 2018. Da ich in meiner Heimatstadt kein passendes Ausbildungsinstitut gefunden habe, entschloss ich mich dazu, eine Ausbildung in einer anderen Stadt zu machen. Das bedeutete, dass ich in regelmäßigen Abständen allein verreisen müsste. Für mich war es eine noch ungewohnte und beängstigende Erfahrung, ganz auf mich allein gestellt zu sein. Doch ich glaube, dass ich gerade durch den Yoga besser mit dieser Herausforderung umgehen konnte. Angst war anfangs noch da, doch je öfter ich alleine wegfuhr, desto mehr Gefallen fand ich an den kleinen bisschen Unabhängigkeit, das ich durch das pendeln bekam.

Auch aufgrund der Sozialphobie spürte ich einige Ängste in mir aufsteigen. Eine komplett neue Situation mit mir fremden Menschen würde auf mich warten. Und niemand Bekanntes war da, der mich hätte begleiten können.

Doch bereits nach dem allerersten Ausbildungstag wurden die Ängste deutlich weniger. Die Mädels (wir waren ursprünglich eine reine Frauengruppe, zu der sich erst gegen Ende der Ausbildung ein Mann dazu gesellte) waren alle unglaublich lieb und nett. Liegt bestimmt am Yoga ;) Die Hemmungen wurden nach und nach weniger, sodass ich mich immer öfter traute, an den Gesprächen und Diskussionen in der Gruppe teilzunehmen.


Unsere Lehrerin war zudem auch ein Engel. Sie ist eine so liebe, aufmerksame und weise Frau - von ihr konnte man wirklich total viel lernen. Und mich begeisterte es außerdem noch, wie geschmeidig und leicht ihre Bewegungen aussahen - fast so, als würde sie beim Yoga über den Boden schweben! Man merkte ihr an, dass sie jahrelange Erfahrungen mit dem Yoga gesammelt hat.

Der Unterricht bestand sowohl aus Praxis als auch aus einem Großteil Theorie. Ausbildungsinhalte waren die Geschichte des Yoga, Patanjali und der achtgliedrige Yoga-Pfad, sequentieller Aufbau einer Class, Pranayama, Meditation, Adjustments, Anatomie und Philosophie; ein Flow wurde hier und da immer mal wieder dazwischengeschoben.

Anders als damals in der Schule war der Inhalt des Unterrichts sehr interessant. Vor allem war es total spannend, wieviel man aus diesen theoretischen Inhalten auf seinen Alltag, sein eigenes Leben übertragen kann! Wir diskutierten oft über verschiedenste Themen (zum Beispiel beim achtgliedrigen Pfad, wie man diesen bei sich selbst integrieren kann) und erzählten von unseren Erfahrungen mit dem Yoga. Ich war teilweise echt wissbegierig und schenkte dem Unterricht immer meine volle Aufmerksamkeit.

Ähnlich wie auch in der Schule gab es auch Hausaufgaben, die wir zwischen den einzelnen Ausbildungsterminen erledigten. Zum einen mussten wir ein Yoga- und Meditationstagebuch führen, zum anderen gab es fünf Bücher zu lesen, zu denen wir jeweils einen Buchreport schreiben sollten. Die Bücher wurden im Unterricht nochmal genauer besprochen, falls man etwas nicht verstanden hat - und es gab definitiv einige Dinge, die man als Laie nur schwer verstehen konnte. Da hat es sehr geholfen, alles nochmal mit einem Experten zu besprechen.

Auch beim praktischen Teil der Ausbildung konnte ich viel Neues lernen. Vorerst hatte ich wirklich Angst gehabt, dass mir die Praxis zu anstrengend werden könnte - ich bin nicht grade ein Muskelprotz und an Ausdauer sprudle ich auch nicht unbedingt über. Meine Angst hat sich jedoch nicht bestätigt: die Praxis war zwar fordernd, aber dennoch machbar und vor allem wohltuend. Man kam gut mit, egal, auf welchem Level man stand. Es ist auch nochmal was ganz anderes, mit einem Lehrer in der Gruppe Yoga zu praktizieren als allein zu Hause, wie ich festgestellt habe. Es herrscht eine wunderbar harmonische Energie im Raum und man kann sich viel besser auf die Praxis konzentrieren als wenn man zu Hause ist und man vermutlich noch von den Mitbewohnern beim üben unterbrochen wird. Zudem hat man noch einen professionellen Lehrer an seiner Seite, der einem dabei hilft, seine Praxis auszubauen und zu verbessern.

Wie cool sind diese Yoga-Blöcke bitte? Ich liebe den Spruch, der auf ihnen steht!

Mit der Zeit hat man natürlich auch gelernt, selbst Hand anzulegen und den Lehrer zu spielen. Das erste Mal den Lehrer zu machen war unglaublich nervenaufreibend - ich war so nervös, obwohl ich ja meine Mädels gut kannte und wusste, dass wir noch am üben sind und keiner den anderen verurteilen würde. Nach und nach ging das anleiten immer mehr ins Blut über. Man lernt, seine Stimme richtig einzusetzen, passende Worte zum anleiten zu finden und vor allem auch, wie man den Teilnehmern Hilfestellungen geben kann.

Gerade der letzte Aspekt hat mich persönlich wachsen lassen. Als normalerweise sehr schüchterner Mensch war ich gezwungen, vor mehrere Leute zu treten, mich zu präsentieren und vor allem auch meine Stimme zu erheben - alles andere als eine einfache Sache. Aber ich hatte keine andere Wahl: ich musste mich dieser Angst stellen. Und zu meiner Überraschung habe ich das auch gut gemeistert! Je öfter man es tut, desto besser wird es. Ich trete nun viel selbstsicherer auf als noch am Anfang der Ausbildung, wo man rumstotterte oder kurze Blackouts vor der Gruppe bekam.

Im Juni diesen Jahres stand die Prüfung an, die einen theoretischen und einen praktischen Teil beinhaltete. Auch wenn ich davon überzeugt war, dass Jede(r) von uns die Prüfung sehr gut meistern würde, hatte ich tierisch großen Respekt davor und bereitete mich dementsprechend auch gut für die Prüfung vor. Der Theorie-Teil der Prüfung beinhaltete einen Multiple-Choice-Test mit allerlei gar nicht so einfachen Fragen; im praktischen Teil musste jeder Schüler einen Flow vorbereiten und diesen vor der Ausbildungsgruppe unterrichten. Und wie erwartet hat Jeder die Prüfung erfolgreich bestanden :)

Es war so ein schönes Gefühl, endlich das Diplom in den Händen zu halten und nun offiziell Yogalehrerin zu sein. Wie cool ist das denn bitte? Darüber hinaus habe ich in dieser Ausbildung so viele tolle Erfahrungen sammeln und tolle Menschen kennenlernen dürfen. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte. Ohne Frage würde ich sie jederzeit wiedermachen wollen! Und im Prinzip tue ich das auch, denn im Dezember werde ich meine Ausbildung fortsetzen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich schon darauf freue! Nachdem ich schon so positive Erfahrungen mit den ersten 200 Stunden gesammelt habe, bin ich mir sicher, dass mich viel Positives auch in der weiterführenden 300-Stunden-Ausbildung erwarten wird.

Der kleine Buddha war ein kleines Souvenir von meinem Bruder, als er Vietnam bereist hat :)

"Where Focus Goes, Energy Flows"

Ich habe gefühlt ewig nichts mehr hier gepostet - das liegt daran, dass das "wirkliche" Leben endlich bei mir stattfand. In den letzten Wochen habe ich viel bewältigen und Fortschritte machen können: ich habe einen Minijob angefangen, mich weiterhin auf meine Yoga-Ausbildung konzentriert, bin mehr rausgegangen, habe mich mit Freunden getroffen, neues ausprobiert und auch an mir selbst gearbeitet. Mein Fokus verlagert sich allmählich weg von dem Thema "Recovery" und mehr zu dem, was ich WIRKLICH im Leben will. Und das ist großartig. Es ist nicht so, dass ich jetzt, wo ich nicht mehr 24/7 an Recovery denke, mich total gehen lasse. Nein, es ist eher sogar das Gegenteil der Fall: je mehr ich mich auf die Dinge fokussiere, die im Leben wirklich eine Rolle spielen, desto leiser wird die Stimme der Essstörung in meinem Kopf. Je weniger Aufmerksamkeit ich ihr schenke, desto mehr schrumpft sie.

Klar habe ich noch so meine "Problemchen" und bin nicht komplett geheilt von der Magersucht. Aber ich bin auf dem besten Weg seit Jahren. Weil ich immer mehr verstehe, worum es im Leben eigentlich geht. Weil ich immer mehr sehe, dass die Essstörung nur Lügen erzählt. Weil ich ich selbst sein möchte.

"What you focus on, grows" - das hört man ja ziemlich oft, vor allem wenn man sich mit Spiritualität beschäftigt. Und es könnte echt nicht wahrer sein: worauf man sich am meisten fokussiert, das wird auch zum Lebens-Mittelpunkt. So gesehen geben wir zum Beispiel der Essstörung nur noch mehr Kraft, wenn wir uns auf Themen wie Essen, Sport, backen, kochen usw. beschäftigen, auch wenn sie sich von "so wenig wie möglich" zu "so gesund und ausreichend wie es nur geht" hin bewegt. Denn selbst wenn wir uns auf Recovery konzentrieren, geben wir der Essstörung noch Aufmerksamkeit, denn wir befassen uns damit gleichzeitig mit der Bekämpfung der Essstörung.

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Natürlich ist es tausendmal besser, sich auf Recovery statt auf die Essstörung zu fokussieren - darin besteht kein Zweifel. Aber vielleicht wäre es ja besser, sich auf ein "normales" Leben zu konzentrieren? Das Essen Essen sein lassen. Ein wenig Sport als Teil eines gesunden Lifestyles anzusehen. Dinge tun, die gesunde und "normale" Menschen auch tun, wie sich mit Freunden treffen, Hobbys nachgehen usw.. Mir hat es extrem geholfen zu verstehen, dass meine "Obsession" rund um das Thema Essen und Ernährung zu einem Großteil durch die Essstörung verursacht worden ist. Früher spielten diese Themen nur eine kleine Rolle in meinem Leben: da war Essen für mich Energie, Genuss und auch ein Mittel, mich mit Familie und Freunden zu versammeln und gemeinsam eine schöne Zeit zu haben. In diesem Post hier bin ich bereits ausführlich darauf eingegangen, was ein Hungerzustand mit dem Menschen, mit seinem Körper und seiner Psyche, anstellt - wenn du also mehr darüber erfahren willst, lies dir den am besten nochmal durch. Ich bin auf jeden Fall der Überzeugung, dass Essen nicht den Lebensmittelpunkt einer Person darstellen sollte, außer natürlich diese Person ist beruflich auf diesem Gebiet unterwegs oder hat eine Leidenschaft dafür, die aber keine krankhaften Züge aufweist.

Nicht zuletzt isoliert man sich in gewisser Weise auch von der Welt, indem man sich nur in seiner eigenen "Recovery-Blase" aufhält und den Blick für die eigentliche Welt da draußen verliert. Durch die Krankheit habe ich lange Zeit ein Stück von mir selbst vergessen - der Anteil in mir, der Videospiele liebt, der gerne mal Scherze macht, sich der Welt zeigen möchte. Jetzt, wo ich meinen Fokus weg von Recovery und Krankheit lege, geht es mir einfach tausendmal besser und ich fühle mich mehr wie ich selbst. Und wie habe ich das gemacht, den Fokus auf etwas anderes zu richten? Indem ich mich aktiv von diesen essgestörten Themen wegbewegt habe. Habe ich mich dabei ertappt, wie ich im Buchladen stundenlang bei den Rezeptbüchern stand, hab ich mir "STOPP" gesagt und bin zu den Romanen oder gleich aus den Laden rausgegangen. Wollte ich eine Kochshow ansehen, hab ich mich für einen Anime, ein Teenie-Drama oder eine Komödie stattdessen entschieden. Also muss man erst einmal schauen, welche die Handlung ist, die von der Essstörung kommt und sich dann bewusst dagegen und für eine normalere, "gesündere" Handlung entscheiden. Anfangs fiel mir das extrem schwer, vor allem eben wenn man noch sehr am Anfang seiner Genesung ist, aber je öfter man es tut, desto einfacher wird es, so wie bei fast allem in Leben.


Jede Entscheidung zählt, so klein sie auch sein mögen. Sie werden sich aufaddieren. Ein Akt gegen die Krankheit pro Tag bedeutet 365 Schritte zur Gesundheit pro Jahr. Das wichtigste dabei: den Fokus nicht aus den Augen lassen. Sich immer wieder daran erinnern, was man möchte. Und danach handeln. Man kann nur gesund werden, indem man sich gesund verhält, gesund denkt.

Wiegen in Recovery? - Meine Erfahrungen

Ganz am Anfang, als ich meinen Blog gestartet habe, hatte ich schon mal einen Post über dieses Thema geschrieben. Mit der Zeit änderten sich aber einige Dinge bei mir, weswegen ich ihn wieder gelöscht habe... Darum greife ich das Thema nun nochmal auf: wiegen in Recovery.

Zu meinen schlimmsten Zeiten habe ich mich mehrere Male pro Tag gewogen - morgens, mittags und abends. Die Zahl auf der Waage entschied oft über meine Laune und auch über mein Essverhalten. Dabei kann ich nicht direkt sagen, ob ich mich gefreut hatte, als die Zahl nach unten ging. Auf jeden Fall war meine Laune aber schlecht, wenn die Zahl nach oben ging. Das wiegen war ein Ritual - nein, es war eine SUCHT, ohne die ich nicht konnte. Wenn es möglich war, nahm ich die Waage sogar mit in den Urlaub, um selbst dort mein Gewicht überwachen zu können.

Am Anfang meiner Genesung habe ich mich weiterhin gewogen, aber wenigstens nicht mehr so oft wie vorher. Es fiel mir alles andere als leicht, zu sehen, wie die Zahl langsam anstieg, weswegen ich meist wieder weniger aß, um dem entgegen zu wirken. So entstand dann ein hin und her zwischen zwei Zahlen und ich machte eigentlich gar keine Fortschritte. Zu anderen Zeiten hatte mich meine Mutter gewogen, damit sie sich versichern konnte, dass es mit meinem Gewicht voranging. Das hatte ich über alles gehasst, weil es sich so anfühlte, als hätte nun jemand anderes die Kontrolle über mein Gewicht übernommen. Als Resultat schummelte ich beim wiegen, indem ich vorher Wasser trank oder mir schwere Sachen in die Klamotten steckte. So lief es auch, als ich zum Arzt musste. Auf lange Sicht war das also auch keine Lösung für mich.

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Irgendwann habe ich das wiegen dann ganz sein lassen. Von ein auf dem anderen Tag habe ich die tägliche Gewichtskontrolle am Morgen einfach ausfallen lassen und die Waage, die ich mir irgendwann mal heimlich zugelegt hatte, meiner Mama gegeben, damit sie sie vor mir versteckt und ich somit nicht mehr in die Versuchung komme, mich zu wiegen. Ab dem Moment wurde ich so viel freier wie schon lange nicht mehr - mein Gewicht nicht mehr zu wissen half mir, lockerer beim essen zu werden. Einfach deswegen, weil ich mir nicht mehr einen Kopf darum gemacht habe, was die Zahl auf der Waage am nächsten Morgen sagen würde. Der Schritt war nicht leicht, aber was ist schon einfach? Natürlich war ich nicht komplett frei im essen, aber es hat mir immens geholfen, nicht nur mehr, sondern auch wieder Dinge wie Nudeln, Salz und Reis zu essen. Es war ein richtiger Schritt in die Richtung und ein kleiner Befreiungsschlag für mich. Und da das auch meine Eltern erkannten, verzichteten sie ebenfalls darauf, mein Gewicht wissen zu wollen. Das machte alles noch viel entspannter für mich. Lediglich beim Arzt musste ich mich noch auf die Waage stellen, aber da haben wir uns geeinigt, dass ich "blind" gewogen werde. Also ich stelle mich so auf die Waage, dass nur die Ärztin die Zahl auf dem Display sehen kann. Klar ist das auch ein komisches Gefühl, aber da ich zu dieser Ärztin ein besseres Verhältnis als zu meinem vorigen Arzt hatte, war ich damit einverstanden.

Irgendwann, gut ein Jahr später, stoß ich auf eine Studie über Essstörungen, an der ich teilnehmen wollte. Das Manko an dieser war, dass ich mich für diese nun wieder ab und zu wiegen müsste. Gepaart mit einem kleinen Rückfall, den ich zu dieser durchlitt, war das glaube keine gute Mischung. Nach so langer Zeit wieder sein Gewicht zu wissen war ein mega komisches Gefühl; als hätte ich all den Fortschritt des vergangenen Jahres mit einem Mal vernichtet, was aber so natürlich nicht stimmte. Anfangs kam wieder diese "Sucht" auf und ich wog mich mehrmals pro Tag, dann jeden Tag einmal und, sobald es mir wieder etwas besser ging, einmal pro Woche. Aber selbst als ich wieder auf einem guten Weg war, merkte ich, wie sehr ich mein Essverhalten noch an der Zahl auf der Waage anpasste. Also ließ ich die Abstände zwischen dem wiegen immer größer werden.

Im Moment wiege ich mich gar nicht mehr und ich kann mich auch nicht mehr erinnern, wann ich es das letzte Mal getan habe - vielleicht im November 2018? Ich weiß es nicht. Aber auf jeden Fall geht es mir gut damit. Ich habe nicht das Bedürfnis, mich auf die Waage zu stellen. Die Zahl will ich auch eigentlich gar nicht wissen. Für mich musste ich feststellen, dass Zahlen mich extrem triggern - somit nicht nur die Zahl auf der Waage, sondern auch Kalorienangaben und ähnliches. Manchmal frage ich mich aber, ob es wirklich so gut ist, die Waage ganz zu meiden. Immerhin soll daraus ja auch kein Vermeidungsverhalten entstehen. Aber dann frage ich mich auch wieder: braucht der Mensch überhaupt eine Waage? Ich denke schon. In Extremfällen wie eben Magersucht oder auch Adipositas ist es in gewisser Weise gut, einen Blick auf das Gewicht des Betroffenen zu werfen. Aber für einen gesunden Menschen? Eigentlich kenne ich kaum einen gesunden, normalen Menschen in meinem Umfeld, der sein Gewicht regelmäßig beobachtet. Und eigentlich ist es auch unnötig, denn das Gewicht sagt eigentlich fast gar nichts über den Gesundheitszustand des Menschen aus.

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Keine Ahnung, ob sich meine Meinung übers wiegen jemals wieder ändern wird, aber zum jetzigen Zeitpunkt habe ich das Gefühl, dass es mehr Schaden anrichtet als dass es hilft. Die Zahl nicht zu wissen gibt mir eine gewisse Freiheit. Und ich bin auch der Meinung, dass wenn meine Krankheit mit dem wiegen angefangen hat, ich es besser sein lassen sollte, wenn ich wieder gesund werden möchte. Jeder wird da andere Erfahrungen und Meinungen haben und ich möchte mit diesem Post auch definitiv niemanden kritisieren, der findet, dass ihm das wiegen hilft! Aber vielleicht können meine Worte dem ein oder anderen zum nachdenken anregen - was ich sehr hoffe! Gerne könnt ihr mir eure Meinung zu dem Thema in den Kommentaren dalassen.

Tipps für Yoga-Anfänger

Im Sommer 2016 rollte ich zum ersten Mal meine Yoga-Matte bei mir zu Hause aus. Ohne viel drüber nachzudenken, klickte ich auf das erstbeste...